Sexy Wie Rock’n’roll Auszug

Garrick

 

Ganz oben auf Hollywoods Hitliste zu landen hat gewisse Vorteile.

Geld. Ruhm. Mädchen.

Viele Mädchen.

Meinen Ruf als Playboy hatte ich mir definitiv verdient.

Doch wenn ich eines nicht bin, dann jemand, der fremdgeht.

Ich mag Fremdgeherinnen nicht. Ich gehe nicht mit ihnen aus. Ich stecke meinen Schwanz nicht in sie rein. Ich tue nichts, was rechtfertigen würde, dass ihre eifersüchtigen Freunde oder Ehemänner mir die Fresse polieren.

Heute Nacht war all das passiert.

Zugegebenermaßen hatte ich zu der Zeit nicht gewusst, dass Missy Ives einen Freund hatte, doch das bedeutete jetzt einen Scheißdreck, wo ich immer noch den Typen, der mir vor zwei Stunden nachgegangen war, mit erst verwirrtem, dann verletztem und schließlich gefährlich angefressenem Blick vor mir sehe. Ich war splitterfasernackt und selbst verwirrt gewesen, während plötzlich Bilder von zwei Jahren zuvor vor meinem inneren Auge aufgestiegen waren, als ich meine Freundin mit meinem eigenen Bruder im Bett erwischt hatte. All das hatte meine Reflexe verlangsamt, als Missys Freund nach mir schlug, was auch der Grund war, warum ich jetzt die ersten Ansätze eines blauen Auges hatte.

Um ehrlich zu sein, hätte ich mich wahrscheinlich sowieso von dem Typen schlagen lassen, so schlecht hatte ich mich in dem Moment gefühlt.

Unglücklicherweise sollte ich in ein paar Tagen die männliche Hauptrolle in einer neuen Fernsehserie spielen. Ich betete, dass das blaue Auge verschwinden würde, bevor wir mit den Filmaufnahmen anfingen.

Nachdem ich mit meinem Wagen in die überfüllte, kreisrunde Auffahrt der Villa des Rockers Wesley Shaw in Beverly Hills eingebogen war, stellte ich den Motor ab und warf einen prüfenden Blick in den Rückspiegel, wobei ich vorsichtig mein Auge berührte. Das ganze Lid war violett verfärbt und geschwollen. Noch dazu tat es höllisch weh. Aber ich wollte mich nicht davon abhalten lassen, doch noch eine gute Nacht zu haben. Die bittere Erinnerung an Rachels Betrug, die ich weitestgehend hinter mir gelassen hatte, war jedoch plötzlich wieder eine klaffende Wunde, die nicht verschwinden wollte. Ich brauchte einen Drink. Mehrere Drinks. Und ich brauchte ein Mädchen. Vielleicht mehrere Mädchen. Alles, was mich vergessen ließ, was für ein Narr ich einmal gewesen war, an die Liebe zu glauben. Und dass ich Missys Gesellschaft irrsinnige drei Dates lang genossen hatte und dabei tatsächlich angefangen hatte zu glauben, dass mehr daraus werden könnte als nur lockerer Gelegenheitssex.

Was für ein Idiot ich doch war.

Ich stieg aus dem Wagen und ließ die Partyszene zur Feier des 22. Geburtstags meines Kumpels Liam Collier auf mich wirken. Liam war der Leadsänger von Point Break, derselben Band, in der Wes Gitarre spielte. Wes nutzte Liams großen Tag als Vorwand, um die erste Party in seiner neuen Prunkvilla mit sieben Schlafzimmern zu feiern. Bis jetzt hatte ich nur von dem Haus gehört. Es war wirklich cool, mit versetzten Ebenen, Glaswänden, die von einem auffälligen schwarzen Rahmen gehalten wurden und sogar einem runden Turm neben dem Eingang. Wes hatte besonders von der Wahnsinns-Aussicht auf die Skyline von Los Angeles geschwärmt, die man von seiner Terrasse aus hatte.

Die Parkhelfer huschten umher, um mit der Kolonne von Autos mithalten zu können, als die Gäste ankamen. Wummernde Bässe und elektronische Beats droschen auf meine Ohren ein und ließen die Fenster meines Autos erzittern. Eine ganze Reihe von Mädchen in tief ausgeschnittenen Tops und Zehn-Zentimeter-Absätzen gingen im Haus ein und aus. Die meisten kannte ich nicht, doch das überraschte mich wenig. Jeder, der in dieser Stadt irgendetwas auf sich hielt, wusste von Wesleys neuem Haus, doch nur diejenigen, die auch wirklich jemand waren, kamen tatsächlich rein.

Es sei denn, man war weiblichen Geschlechts, und eine ansehnliche Oberweite konnte den Mangel an Bekanntheit wettmachen.

Als ich einen der Parkhelfer auf mich zukommen sah, warf ich ihm die Schlüssel meines schwarzen Bentley Continental GT zu. „Danke, Alter“, sagte ich und begann, die weißen Steintreppen zum Haus hoch zu joggen. Zwei massige Typen in dunklen Anzügen bewachten den Eingang. Ich hatte sie fast erreicht, als die Eingangstür weit aufflog und mir das gedämpfte Geplapper und Gelächter von den gut hundert Leuten im Haus entgegenschlug. Am Rande meines Sichtfeldes tauchte stolpernd eine Gestalt mit nacktem Oberkörper auf. Es war der Schlagzeuger von Point Break, Tucker Benning – sehnig, ungepflegt und tätowiert.

„He, da bist du ja!“ Tucker hatte eine halbvolle Flasche Patron Silver dabei, und eine Zigarette hing in seinem Mundwinkel. Seine zerzausten, langen Haare hingen ihm in die strahlend grünen Augen und klebten teilweise schweißnass an seiner Haut. Mit einer unbeholfenen Bewegung wischte er sie sich aus dem Gesicht.

Seine Wange war mit Lippenstift verschmiert. Gefährlich schwankend streckte er die Arme aus und verschüttete dabei einen guten Teil des Flascheninhalts. „Wir haben uns schon gefragt, wo zum Teufel du – He! Alter, was ist mit deinem Auge passiert?“

„Bin in eine Wand gerannt.“ Ich seufzte, denn ich war mir sicher, dass ich das heute Nacht wohl noch öfter sagen würde.

Tuck blinzelte mich an, als er versuchte, meine Antwort zu verarbeiten.

„Ich würde doch um nichts in der Welt Liams Geburtstag verpassen, Tuck.“

Liam Collier und ich waren seit der High School miteinander befreundet, als wir beide in der Theatergruppe gewesen waren. Liam war damals von einer Band zur nächsten gewechselt und Tuck in unserem Jahr auf der Junior High begegnet. Ich hatte seine neuesten Bandmitglieder, Wes und Corbin Ross, die beide Bassgitarre spielten, erst letztes Jahr kennengelernt, kurz bevor sie das erste Mal Platin abgeräumt hatten. Jetzt spielten sie in ausverkauften Hallen und bereiteten sich auf ihre erste Welttournee vor.

Tucker legte seinen Arm um meine Schultern und stützte sich auf mir ab. „Sag ihm oder Wes nicht, dass ich das gesagt habe“, flüsterte er laut, wobei mir seine Alkoholfahne entgegenschlug. „Aber ich würde seine Geburtstagsparty verpassen, wenn ich dafür eine Gelegenheit bekäme, mit Missy Ives rumzumachen. Gott, ihre Fotos in der Bikini Ausgabe von Sports Illustrated …“

„Alter, komm schon.“ Anstelle von Missys Bikinifotos stieg gerade die ganze geschmacklose Szene mit ihr und ihrem Freund vor meinem inneren Auge wieder auf. Ein plötzliches Engegefühl ließ mich zusammenzucken, und ich rieb mir die Brust, als wir über den Fliesenboden gingen, der mit Konfetti, Kreppbändern, geplatzten Luftballons und Glitter und Pailletten von mehr oder weniger geschmackvollen Cocktailkleidern übersät war.

„Hey, du bist derjenige, der gesagt hat, dass sie anders als die meisten Mädchen sei. Ich lass dich jetzt nicht so einfach dichtmachen.“

Das war gewesen, bevor ich erfahren hatte, dass sie nicht Single war. Aber das behielt ich für mich. Ich wollte das Thema wechseln, darum warf ich ihm einen Seitenblick zu. „Tuck, sag mal, wo zum Teufel hast du eigentlich dein Hemd gelassen?“

Er betrachtete seine nackte Brust. „Keine Ahnung, Mann. Vorhin hab ich ein paar Bier in der Badewanne auf Ex getrunken, und plötzlich war es weg.“

„Wow.“ Ich sah ihn mit einem herablassenden Grinsen an, froh, dass ich das Gesprächsthema Missy hatte vermeiden können. „Beeindruckendes Erinnerungsvermögen, Kumpel.“

Tucker stieß langsam einen Finger gegen meinen Arm. „Mann, so ein Gelaber kann ich nicht brauchen. Und hör auf, das Thema zu wechseln. Spuck’s aus, Mann. Hast du sie gebumst? Wie war’s?“

„Du bist unerbittlich“, murmelte ich und griff um ihn herum, um ihm die Flasche Patron abzunehmen. Ich wusste, dass Tucker weiter bohren würde, wenn ich nicht irgendetwas sagte. „Wir sind unterbrochen worden.“

„Bamm!“, polterte Tucker theatralisch und kniff mir in den Arm, während er seine Augen komisch weit aufriss. „Hat dir etwa ein eifersüchtiger Ex die Tour vermasselt?“

„So was in der Art“, murmelte ich und trank einen großen Schluck Tequila aus der Flasche. Ich war froh, dass Tuck offensichtlich zu betrunken war, um die Unterbrechung mit meinem blauen Auge in Verbindung zu bringen. „Wie dem auch sei, zu viel Stress für mich. Die Nummer ist vorbei.“

„Doch drei Dates sind immer noch ein Rekord, Mann.“

Damit hatte er Recht, und das war auch der Grund, warum ich nicht mehr darüber reden wollte.

Tucker und ich gingen weiter durchs Foyer und in die Küche, die in dunklem Granit und Edelstahl gehalten war. Als ich ein paar Hollywood-Typen erkannte, nickte ich ihnen zu und wehrte die Fragen nach meinem blauen Auge damit ab, dass ich sie darauf hinwies, dass ich meine Stunts immer noch selbst machte. Da stand ein Zwillingspaar rum, die ich ganz nett fand, Bruder und Schwester, die meistens zusammen für Filme gecastet wurden. In ihren Augen blitzte ein gewisser Respekt auf, als sie mich sahen.

„Hey, Garrick“, rief das Mädchen mir zu. „Glückwunsch zu deiner neuen Serie. Du machst das bestimmt großartig.“ Sie hob ihr Schnapsglas zu meinen Ehren.

„Danke. Dürfte interessant werden.“

Ich war ein Actionheld, kein romantischer Hauptdarsteller, doch ich hoffte, dass mir meine Einlage als Payton Baber mehr dramatische Rollen einbringen würde. Als Baber spielte ich einen Studenten an der Universität von New Mexico. Er war Frontmann einer Garagenband und hatte eine romantische Beziehung mit dem braven Mädchen Lacey, einer Streberin. Point Break hatte den Soundtrack zur Show eingesungen, und Liam war meine Stimme in den Gesangsszenen, da mein Gesang eher dem Krächzen eines Raben glich. Es war ziemlich genial gelaufen, als ich ihn empfohlen hatte. Der Sender hatte aus Kostengründen eine andere Band für den Gig buchen wollen, doch als ich hatte durchblicken lassen, dass ich die Rolle vielleicht doch nicht annehmen würde, hatten sie nachgegeben und einen wahnsinnigen Betrag ausgespuckt, um Point Break zu engagieren. Das hatte mir zum ersten Mal meinen Einfluss in der Industrie gezeigt.

Liam mit seiner vollen Tenorstimme, die er genau im richtigen Moment zum Falsett hinaufschießen lassen konnte, war sowieso der perfekte Typ für den Gig. Mann, es hatte immer gewaltig an mir genagt, dass er die eine Sache beherrschte, die ich nicht konnte.

Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Glaubt mir, das habe ich. Doch selbst die besten Gesangslehrer konnten aus einem Frosch keine Nachtigall machen.

Ich habe immer viel gesungen, selbst mit meinem Mangel an Talent. Natürlich beschränkte sich das auf das Singen in der Dusche, wenn ich allein war. Nichts und niemand könnte mich dazu bringen, in der Öffentlichkeit zu singen. Ich hatte mich sogar geweigert, im Auto mit Rachel zum Radio zu singen, etwas, das –

Verdammt! Ich hatte schon seit Monaten nicht mehr an Rachel gedacht. Doch dank Missy hatte ich heute schon ein paar mal an sie denken müssen. Ich ließ den Blick durch den Raum schweifen, auf der Suche nach etwas – irgendetwas – das mich von ihr ablenken würde.

Von irgendwoher war Jubel zu hören. „Wo ist Wes?“, fragte ich.

„Der Idiot hat seit sechs Uhr oben gepennt. Ich wette, dass um ihn herum irgendeine schlüpfrige Orgie in vollem Gang ist und er es nicht mal mitbekommt.“

Wir machten einen Umweg durch einen Raum, der aussah wie ein Wohnzimmer mit einer riesigen Kinoleinwand. Als ich sah, wer bereits da war, musste ich grinsen. Ich hatte auf etwas gehofft, das mich von meinem Ärger ablenken konnte, und das war ein ziemlich guter Anfang.

„Wo wir gerade von schlüpfrig sprechen …“ Ich nickte in Richtung des Sofas, auf dem gerade zwei vollbusige Mädchen – eines blond, das andere rothaarig – auf ein paar mit Jeans bekleideten Knien hockten. Die Mädchen knutschten leidenschaftlich miteinander und waren, abgesehen von ihren BHs und winzigen Höschen, nackt. Ich muss zugeben, dass sie einen ziemlich erotischen Anblick boten, so spärlich bekleidet und mit ihren roten Riemchen-Sandalen mit schwindelerregend hohen Absätzen. Der Glückliche in der Mitte hatte seinen Kopf an die Rückenlehne des Sofas gelehnt. Ich musste sein Gesicht nicht sehen, um zu wissen, dass er ein verdammter Glückspilz war. Ich bezweifelte, dass er gerade an vergangene Treuebrüche oder wütende Exfreundinnen dachte, und genau das wollte ich unbedingt auch – um das vorhin Erlebte wegzuwaschen. Die Zeit um ein paar Jahre zurückzudrehen wäre auch nett gewesen, denn das hätte bedeutet, Rachel vollkommen aus meiner Erinnerung löschen zu können. Ich überlegte, ob er vielleicht bereit wäre, mit mir Plätze zu tauschen.

„Scheiße“, bemerkte ich. „Der Typ sieht alles andere als bedauernswert aus.“

Sein Kopf schoss hoch; er platzierte seine Hände auf die Titten der Mädchen und schob sie auseinander. Liams fein geschnittenes, von kurzem, braunem Haar umrahmtes Gesicht tauchte auf. Er trug ein Hemd mit diversen Cocktail-Flecken, dessen Knöpfe um ein Loch verknöpft waren.

„Garrick, Alter“, rief Liam und nickte mir mit einem dümmlichen Grinsen zu.

Ich lachte. „Alles Gute zum Geburtstag, Liam.“ Meinen Freund zu sehen milderte den Druck in meiner Brust ein wenig.

Liam sah besoffen, aber gut aus. Er fühlte sich wie ein Fisch im Wasser mit seinem neuen Rock-Gott-Status, ohne dabei ein Arsch geworden zu sein. Er hatte diese ansteckende, sorglose Art an sich. Er nahm die Dinge, wie sie kamen; machte sich keinen Stress. Alle liebten ihn vom ersten Augenblick an. Freundlich, offen, entspannt, selbstbewusst und mutig konnte Liam jedes Mädchen auf eine charmante Art und Weise ins Bett schleppen und jedem Typen den Wind aus den Segeln nehmen. Er stand seinen Eltern und seinen Brüdern immer noch nahe. Und auch wenn er jetzt definitiv eine Beziehung nach der anderen hatte, glaubte er immer noch daran, eines Tages das richtige Mädchen finden zu können, mit dem er eine Familie gründen würde.

Mit anderen Worten – er war verdammt naiv.

Seine Eltern entsprachen auch nicht der Norm. Den meisten Leuten blieb eine solche Liebe versagt. Die meisten Leute waren Arschlöcher, Fremdgeher, Drückeberger.

Missy hatte mich gerade nur an das erinnert, was ich ohnehin schon wusste. Ich wollte nicht derjenige sein, der seine Träume zum Platzen brachte, doch irgendwann würde er das schon selbst herausfinden.

„Tucker“, rief ein Mädchen aus der Küche und schob ihren Kopf um die Ecke, während sie mit einer grünen Flasche vor ihm herumwedelte wie ein Hundetrainer mit einem Leckerbissen vor einem Hund. „Wir machen Jägerbombs. Beweg deinen lahmen Arsch hierüber.“

„Komme schon. Bis später, Alter.“ Tucker klatschte mir mit der Hand auf die Schulter. „Okay, wir brauchen erstmal ein paar Schnapsgläser.“ Mit diesen Worten verschwand er in die Küche. „Und los geht’s“, rief er, angefeuert von freudigem Gejohle.

Liam erhob sich vom Sofa, stürmte durch den Raum und versuchte, mich wie ein Footballspieler umzureißen. Zum Glück war ich darauf vorbereitet und konnte das verhindern. Stattdessen gab ich ihm ein paar Klapse auf den Rücken. „Was gibt’s Neues, Bruder?“

„Du hinterhältiger, kleiner Scheißer“, schalt er. „Du bist tatsächlich gekommen!“ Er lächelte schief, und seine Pupillen waren geweitet.

„Hätte die Party um nichts auf der Welt verpasst“, versicherte ich ihm und legte meine Hände auf seine Schultern, um ihn zu schütteln. Eine Lüge. Ich hätte seine Party wahrscheinlich verpasst, wenn es etwas in meinem Leben gegeben hätte, das es wert war, seine Party zu verpassen. Beruflich hatte ich das. Privat jedoch? Nicht wirklich.

Einen Augenblick lang wünschte ich mir, nicht auf der Party zu sein, weg von all dem Krach, dem Alkohol und sogar den Mädchen. Ich dachte, dass es gar nicht so schlecht wäre, an einem ruhigen Ort zu sein und mich mit jemandem zu unterhalten, der mich wirklich mochte.

Ich schüttelte den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Scheiße, ich klang wie ein Weichei. Das hier war Liams Geburtstagsparty. Er konnte keinen melancholischen und gefühlsduseligen Gast gebrauchen.

Ich überlegte, was ich sagen sollte. „Wo ist Helen eigentlich?“

„Sie ist draußen im Pool, denke ich.“

Helen war auch in unserer Theatergruppe gewesen, und sie und Liam waren immer noch eng befreundet. Soweit ich wusste, waren sie nie zusammen gewesen, doch sie spukten wie Phantome immer wieder in das Leben des anderen hinein. Vor kurzem hatte sie angefangen, für die Band zu arbeiten, half mit dem Marketing. Ich fragte mich, ob sie so nicht ein wenig zu dicht aufeinander hockten.

Liam legte in einer ritterlichen Geste die Hand an seine Brust. „Was das angeht. Ich muss mal nach Helen sehen. Ach, Kumpel, kannst du dich eine Weile um das da kümmern?“, fragte er mit einem Kopfnicken in Richtung der spärlich bekleideten Mädchen, die auf dem weißen Ledersofa herumlümmelten und kichernd abwechselnd aus einer Flasche tranken.

Der gute alte Liam. Was für ein guter Freund, mir genau die Ablenkung anzubieten, die ich vor wenigen Augenblicken noch bewundert hatte.

Als ob sie ihn gehört hätten, warfen mir die beiden Mädchen aus ihren großen Augen mit den üppig getuschten, falschen Wimpern Schlafzimmerblicke zu. Sie klimperten mir zu und lockten mit frisch manikürten Fingernägeln. Aber ja doch! Der Schatten der Ereignisse von vorhin oder derer von vor zwei Jahren würden mich sicher nicht davon abhalten, mich mit diesen beiden Schönheiten zu amüsieren. Ich holte tief Luft. „Ich weiß nicht, Liam. Wenn du meinst, muss ich mich eben opfern“, scherzte ich. „Dafür schuldest du mir was.“

Plötzlich legte er in einer theatralischen Geste seine Hände um mein Gesicht und sah mir in die Augen. „Du schaffst das schon“, sagte er und schüttelte mich. „Ich glaub an dich. Alles klar?“

„Aber sicher!“, wiederholte ich, von einem Ohr zum anderen grinsend.

Konnte ich etwas dafür, dass ich fünf Minuten später zwischen den Mädchen auf dem italienischen Sofa saß und sie mit meinen Armen wärmen musste? Die Blondine hatte sich mir als Britney vorgestellt, die Rothaarige hieß Angela. Britney schüttelte den Kopf und berührte sanft mein blaues Auge, während Angela erklärte, dass mich das noch heißer aussehen ließ. Beide behaupteten, große Fans meiner Arbeit zu sein. Sie kicherten und küssten sich gerne. Das störte mich natürlich nicht im Geringsten.

Nach den ersten Küssen wanderten ihre Hände jedoch in Richtung meines Körpers, als wäre ich ein Magnet, der sie anzog. Sie knöpften langsam mein Hemd auf, einen Knopf nach dem anderen, und küssten einander bei jedem zweiten Knopf. Ich fragte mich, was sie beim letzten Knopf machen würden. Da war ich dann schon halb nackt und Britney schob mein Hemd auseinander, während Angela mit ihrer Hand meinen Schritt rieb und dem Zelt in meiner Jeans immer näher kam.

Meine Hände tasteten nach ihren Hüften, Oberschenkeln und Brüsten. Ich küsste abwechselnd erst die eine, dann die andere. Ich meine – das war nur fair. Sie beide machten ihre Sache ausgezeichnet. Britney langte hinter das Sofa und nahm eine halbvolle Flasche Sahnewodka vom Glastisch. Sie trank einen Schluck, dann beugte sie sich über mich und ließ ihn durch ihre Lippen mit dem Erdbeer-Lipgloss in meinen Mund laufen. Ich schluckte die süße Flüssigkeit, die nun gar nicht mehr brannte, und zog sie an mich, um den Geschmack zwischen unseren Zungen tanzen zu lassen.

Angela saugte an meinem Hals und ließ ihre Lippen über mein Kinn zu meinem Ohr wandern. “Lass uns nach oben gehen“, schnurrte sie mit ihrer zuckersüßen Stimme.

Ich stöhnte – mein Körper war noch williger als sonst, da ich vorhin mit Missy nicht gekommen war. Wir waren ziemlich heiß bei der Sache gewesen, als plötzlich ihr Freund aufgetaucht war.

Unbehagen und dunkle Erinnerungen drohten wieder über mich hereinzubrechen, und eine fürchterliche Sekunde lang ersetzte mein Verstand die Gesichter von Britney und Angela mit denen von Rachel und Missy. Wie krank war das denn? Doch dann glitt Angelas Hand wieder in meinen Schritt.

Die Gesichter von Rachel und Missy verschwanden. Ich hatte jetzt ein festes Ziel vor Augen – es uns dreien so heftig und so oft wie möglich zu besorgen.

„Gehen wir nach oben?“ Angela sah mich mit erwartungsvollen Augen an.

Atemlos und mit kochendem Blut nickte ich.

Noch bevor wir oben angekommen waren, hatten die beiden Mädchen ihre BHs ausgezogen und sie kichernd über das Geländer auf die Gäste, die sich unten tummelten, geworfen. Pfiffe, Gelächter und Schreie hallten von unten herauf.

Von irgendwoher hörte ich Tuckers triumphierende Stimme. „Besorg’s ihnen, Garrick! Wer will aus meinem Bauchnabel trinken?“

Wir stolperten in eines der Schlafzimmer im oberen Stockwerk. Angela hielt dabei in einer Hand die Wodkaflasche und zog mich mit der anderen hinter sich her. Auf dem Bett war bereits ein Paar zugange, doch als sie mich sahen, entschuldigten sie sich und überließen uns den Raum.

Britney stieß die Tür zu und hakte ihren Finger in meine Gürtelschlaufe, um mich zum Bett ziehen, während sie mich mit ihren riesigen Augen und ihren vollen Lippen wie ein verdammter Profi ansah. Auf dem Weg zum Bett öffnete sie geschickt meine Gürtelschnalle und zog den Gürtel aus meiner Hose.

Angela kletterte aufs Bett, nahm einen Schluck aus der Flasche und ließ absichtlich etwas aus ihrem Mund über ihr Kinn, ihren Hals und ihre vollen Brüste laufen. Ich streckte mich und begann, ihre Brüste zu massieren, während ich meinen Kopf drehte und meine Lippen auf Britneys süßen Mund presste. Dabei durchsuchte sie meine Hosentaschen, bis sie ein Kondom gefunden hatte. Schließlich fielen meine Jeans und gleich anschließend auch meine Calvin Klein Boxershorts zu Boden.

„Baby, du bist ja riesig!“ Ihre Augen flackerten vor Entzücken.

Schauspielerin! Man musste schon einer sein, um eine zu erkennen. Doch zumindest wusste sie, was man in solchen Situationen sagen musste.

Sie riss die Packung auf, holte das Kondom heraus und rollte es mir über. Britney ging auf die Knie und begann, meinen steinharten Schwanz in ihren süßen, warmen Mund einzusaugen. Meine Hand griff in ihre Haare. Der glorreiche Druck und die Reibung wurden vom Tanzen ihrer Zunge ergänzt, ihr Kopf schoss dabei vor und zurück.

„Ja“, keuchte ich angetörnt. „Schluck ihn ganz tief, Baby.“

Sie stöhnte und nahm meinen Schwanz bis zum Anschlag in sich auf, als wollte sie zeigen, wie gut sie darin war, das von ihr verlangte zu tun.

In der Zwischenzeit zog Angela lasziv ihr Höschen aus. Als sie vollkommen nackt war, kroch sie auf mich zu und brachte dabei die Laken mit ihren Knien durcheinander. Ihre großen, schimmernden blauen Augen flackerten vor Lust. Sie leckte sich die Lippen, richtete sich auf und begann, mich zu küssen. Ich drehte meinen Oberkörper in ihre Richtung und verteilte mit meiner Hand den Wodka über ihren nackten Körper, bis meine Finger die feuchte Hitze zwischen ihren Beinen fanden.

Ich warf meine Hüfte vor und stieß meinen Schwanz tief in Britneys Hals. Sie reagierte darauf mit einem gierigen Stöhnen, während ihre geschickten Finger an meinen Oberschenkeln empor wanderten, meine Eier ergriffen und sie nach Lust und Laune verwöhnten. Ich stöhnte zustimmend und zog an ihren Haaren.

Angela und ich begannen, uns ernsthaft zu küssen, und als ich meine Zunge in ihren Mund schob, schmeckte ich den süßen Wodka und einen Hauch von Zigaretten. Sie stöhnte, als ich sie streichelte, neckte und fingerte … schließlich löste sie sich von mir, legte sich auf den Rücken und spreizte die Beine, um mir einen erstklassigen Einblick zu gewähren, während sie begann, sich mit ihrem Mittelfinger selbst zu befriedigen. Ich sah ihr dabei zu, jede Sekunde erregter, bis Britney mit einem schmatzenden Geräusch meinen Schwanz aus ihrem Mund zog. Sie stand auf, drehte sich um und kletterte aufs Bett, um sich zwischen Angelas perfekten Oberschenkeln zu positionieren und mit ihrer Zunge in sie einzudringen.

Angela keuchte und wand sich.

Mit steinhartem Schwanz hakte ich meine Finger in Britneys babyblauen Stringtanga und zog ihn über ihren perfekten, runden Arsch. Ich ließ mir einen Moment Zeit, das zu bewundern und zu massieren, was sie mir so appetitlich präsentierte und leckte dabei meine Lippen wie ein Löwe vor der nächsten Mahlzeit. Meine Schienbeine lehnten am Bett als ich sie an den Hüften packte und in sie hineinstieß. Verdammt, fühlte sich das gut an.

Es schien ihr auch zu gefallen, denn sie stöhnte genussvoll. Ich hatte gehofft, dass sie da unten ein wenig enger sein würde, nachdem ihr Körper sonst so gut in Form war, doch ich musste wohl davon ausgehen, dass sie das hier ziemlich oft tat – natürlich verurteilte ich sie hierfür nicht. Ich meine, schließlich tat ich genau das Gleiche. Britney leckte und saugte Angela, während ich Britney fickte und sich mein Orgasmus langsam aufbaute. Sie zog ihre Fotze um mich herum zusammen, spreizte ihre Beine weiter, als ob sie mich noch tiefer in sich aufnehmen wollte, bevor sie auf einmal ganz von mir wegrutschte.

Was hatte sie als nächstes vor? Ich konnte es nur ahnen.

Sie kroch über Angelas Körper, drehte sich herum und kniete sich über Angelas Gesicht, bevor sie sich auf sie sinken ließ. Sofort schoss Angelas Zunge heraus, und ich legte ihre Beine auf meine Schultern, um in sie einzudringen.

Beide stöhnten theatralisch wie in einem Porno. Britney strich über ihren Körper und massierte sich ihre eigenen Brüste, während sie ihre Hüften kreisen ließ und sich mit verklärtem Blick Angelas Mund hingab. Ich muss schon sagen, das alles machte mich verdammt geil. Der Anblick der Riemchensandalen an Angelas Füßen machte mich noch schärfer. Britney beugte sich vor, damit wir uns küssen konnten. So wechselten wir immer wieder unsere Positionen und fickten über eine Stunde weiter, bis wir alle in einem Haufen von verschwitztem, befriedigtem Fleisch übereinander lagen.

Wow.

Es dauerte eine Weile, bis sich mein Körper wieder abgekühlt hatte und ich aufhörte zu zittern. Ich fühlte mich ausgelaugt. Leer. Für kurze Zeit war mein Schmerz über Missys Verrat und die Bitterkeit schlechter Erinnerungen gelindert worden, doch jetzt kehrten sie mit voller Wucht zurück.

Meine inneren Geister verhöhnten meine Wertlosigkeit, und ich fühlte mich einfach nur scheiße. Ich hatte mir zwei Jahre lang arbeitstechnisch den Arsch aufgerissen und gefeiert wie ein Blöder, um dieses Gefühl loszuwerden, und jetzt hatte diese Episode mit Missy die Wand wieder zum Einsturz gebracht. Alles, was ich fühlte war Schmerz.

Ich starrte an die Decke, während jede Spur des körperlichen Genusses schnell abklang. Neben mir lagen die Mädchen, regungslos, erschöpft. Früher hätte ich Britney jetzt spielerisch auf den Hintern geklatscht und Angela gekitzelt, bis sie aufgestanden wären und sich angezogen hätten. Doch jetzt lag ich einfach nur da. Wenn sie gehen wollten, sollten sie gehen. Wenn sie bleiben wollten, war mir das auch egal.

Ich kannte sie nicht. Sie waren mir egal. Ich wusste nicht einmal genug über sie, um sie zu mögen.

In diesem Augenblick konnte ich mich selbst nicht leiden. So konnte es einfach nicht weitergehen.

Ich war alles, was ich hatte. Mich. Meine Karriere. Die Partys. Der Alk und die Frauen. Ich hatte ein Leben, für das die meisten Typen jemanden umgebracht hätten. Das durfte ich nicht vergessen.

Ich zwang mich, mich zu bewegen und drehte mich zu den Mädchen um. „Ladies, das war atemberaubend. Danke.“

Angela stützte sich auf ihre Ellenbogen. „Wir haben noch mehr auf Lager, wenn du magst“, schnurrte sie.

Plötzlich donnerte Tucker an die Tür. „Garrick“, lallte er. „Komm Geburtstagsschnaps mit uns trinken. Bevor Liam umkippt. Komm Alter, wisch deinen Schwanz ab und komm raus.“

Ich sprang auf, um mich anzuziehen, bereit, mithilfe meiner Freunde und einer Menge Alkohol zu vergessen, was mich verfolgte. Das quälende Gefühl, erbärmlich zu sein, ließ mich nicht los, und ich versuchte krampfhaft, es loszuwerden. Ich weiß nicht, was ich sonst noch wollte, doch ein unerklärliches Gefühl überkam mich mit der verzweifelten Gewissheit, dass das hier nicht alles sein konnte.

Leave a Comment:

Sign up for Virna's newsletter and receive 2 FREE books