Mit Dem Milliardär Im Bett Auszug

Lucy Conrads Sicherung war durchgebrannt, denn es stellte sich heraus, dass der nette Herr Professor, mit dem sie als Herausforderung ausgegangen war, der beste Liebhaber gewesen wäre, den sie je gehabt hatte.

Falls er dies jemals aufgeben würde, hieß das.

„Du denkst schon wieder, Lucy“, sagte Jamie, während er sie streichelte. „Denke nicht. Fühle!“

Oh ja, sie fühlte sich gut. Dieser Typ war einfach überragend gut darin, ihr Vergnügen zu bereiten, anders als sie es bei jedem anderen je erlebt hatte – und das mochte bei ihr schon etwas heißen. Und doch, wenn es darum ging, das volle Programm durchzuziehen, blieb er auf starrköpfige Weise resistent.

Ihre Chemie war phänomenal. Er konnte fantastisch küssen, ob langsam und schmelzend oder schnell und leidenschaftlich. Auch mit seinen Händen war er äußerst talentiert. Ebenso mit seiner Zunge. Und seiner Stimme. Gott, die schmutzigen Dinge, die ihm so manches Mal einfielen, brachten sie um den Verstand und ließen sie vor Verlangen erbeben.

Aber während ihres dritten Dates und eines atemberaubenden So-tun-als-ob-Treffens war er plötzlich zurückgewichen. Erpicht darauf, zu beweisen, dass er mehr als bloß Sex von ihr wollte, hatte er vorgeschlagen, dass sie es noch hinauszögern sollten, das volle Programm durchzuziehen. Sie sollten die freudige Erwartung darauf weiter aufbauen und sich gegenseitig verrückt machen, während sie sich gleichzeitig gegenseitig besser kennen lernen sollten.

Zuerst hatte sie gedacht, er würde scherzen. Immerhin hatte sie gespürt, wie hart er bereits für sie geworden war, hatte gesehen, wie seine geschmeidigen Muskeln vor Begehren gezittert hatten und hatte sein abgehacktes Stöhnen gehört, während sie ihn berührt hatte. Als ihr klar geworden war, dass er es ernst meinte, hatte es sie gereizt. Sie war zuversichtlich und überzeugt gewesen, ihn dazu bringen zu können, seine Meinung zu ändern.

Deshalb war sie einverstanden gewesen.

Somit hatten zwei Monate des fabelhaftesten Vorspiels begonnen, das man sich überhaupt vorstellen konnte . . . und eine Enttäuschung, wie sie sie auch noch nie zuvor erlebt hatte.

Jetzt waren sie offiziell bei Date Nummer zehn . . . und Lucy war erledigt.

Sie wollte alles von Jamie. Und sie wollte es jetzt.

Sie stellte sich vor, wie er sie bis zum Anschlag füllen würde. Wie er sie so weit ausdehnen würde, dass es weh tun würde, obwohl es sich gleichzeitig besser anfühlen würde als alles, was sie je gespürt hatte.

„Verdammt Jamie, ich brauche mehr als das“, sagte sie, während er ihre Klitoris streichelte.

„Ich habe noch eine ganze Menge mehr, was ich dir geben kann, Lucy“, sagte er, als er gerade mit einem langen Finger in sie eindrang. Die Kombination seiner Liebkosungen und seines Finger in ihr brachte sie beinahe zum Höhepunkt, aber sie war fest entschlossen, sich vor der letzten Ekstase zurückzuhalten.

„Nein, nein“, sagte er. „Halte dich nicht zurück! Niemals!“

Sie gab ein schwaches Lachen von sich. „Du verbietest mir, mich zurückzuhalten? Du, der mich nicht einmal ficken will, obwohl . . .“

Sie zischte, als er noch einen Finger in sie tauchte.

„Obwohl was? Obwohl ich es absolut liebe, dir einen Höhepunkt nach dem anderen zu schenken?“

Ihr Kopf fiel auf das Bett zurück. Während sie die Zimmerdecke ihres Schlafzimmers anstarrte, verschwamm ihre Sicht, und ihr Verstand füllte sich mit Bildern seiner goldbraunen Augen, seines hageren, kantigen Gesichts und seines schlanken, aber mit starken Muskeln ausgestatteten Körpers. Als er seinen Kopf senkte, um ihren Bauch zu küssen, verflochten sich ihre Finger mit seinem dunklen, seidigen Haar und zogen daran.

„Ich will deinen Schwanz!“, sagte sie und hielt dann den Atem an. Wieder einmal fragte sie sich, ob ihre Direktheit ihn abstoßen würde. Sie sprach Klartext. Das tat sie immer. Normalerweise war sie nicht widerwillig, was Fluchen anbetraf, vor allem, wenn es um Sex ging. Aber mit Jamie? Obwohl er auch ein Lehrer am College war wie sie auch, erinnerte er sie an die Jungs, mit denen sie sich verabredet hatte, als sie noch jünger war. Die privilegierten Jungs. Diejenigen, bei denen es immer darauf hinauslief, dass sie ein Mädchen wollten, das Klasse hatte. Ein anderes Mädchen also als Lucy.

Sie runzelte die Stirn. Sie mochte das Gefühl, minderwertig zu sein, nicht. Wenn Jamie die Art und Weise, wie sie sprach, nicht gefiel, sollte er sich gefälligst selbst ficken. Aber zuerst wollte sie, dass er sie fickte.

Als könnte er ihre Gedanken lesen, sagte er: „Wir kamen überein, die Dinge langsam angehen zu lassen, Lucy. Um uns gegenseitig etwas besser kennen zu lernen. Das ist auch für mich hart. Ich begehre dich so sehr!“

„Dann nimm mich! Ich habe dich kennen gelernt. Und du – du hast mich doch sicherlich auch kennen gelernt.“

„Ich weiß, wie du schmeckst. Wie du dich anfühlst. Wie du aussiehst, wenn du einen Höhepunkt hast. Und all das läuft auf fantastisch hinaus. Aber du hast mich noch nicht wahrhaftig in dich selbst eingelassen. Du hältst immer noch etwas zurück. Ich will in dich hineinkommen, nicht bloß in deinen Körper. Von Beginn an weiß ich, dass die einzige Möglichkeit, wie ich das schaffen kann, ist, einen Teil von mir außerhalb deiner Reichweite zu halten. Damit ich dir zeigen kann, dass du mir mehr bedeutest als nur ein schneller Fick.“

„Ich will aber einen schnellen Fick!“

„Von mir bekommst du ihn aber nicht.“

„Warum macht es dir etwas aus, ob ich etwas zurückhalte?“ Und woher konnte er das wissen? Konnte er den Schmerz spüren, den sie immer noch aus ihrer Vergangenheit mit sich trug? Der Schmerz, der daher kam, dass sie niemals irgendwo dazugepasst hatte? Die Menschen, die ihr am nächsten stehen sollten – ihre wohlhabenden Eltern, ihre Schwester, die Lehrer und Mädchen ihres Internats – hatten sie abgelehnt, weil sie laut, impulsiv und ungehobelt war. Und die Jungs – Herrgott, die Jungs – hatten sie spöttisch angegrinst, sodass sie sich wie eine Hure vorkam, bloß weil sie geflucht, Alkohol getrunken und gerne Party gemacht hatte.

Jamie war zwar nicht so, doch das bedeutete nicht gleich, dass er perfekt war.

Er konnte selbstgefällig sein. Stur. Dominant. Zweimal hatte er ihre Kleidung als zu aufreizend empfunden. Das erste Mal kam er damit durch. Beim zweiten Mal hatte sie ihm klar gemacht, dass sie sich so kleiden würde, wie sie wollte, und wenn ihm das nicht passte, könnte er verschwinden.

Seitdem hatte er nie mehr einen Kommentar zu ihrer Kleidung abgegeben.

Und er war nirgendwo hingegangen.

Wider besseres Wissen öffnete sich Lucys Herz ihm gegenüber. Bereitete sich darauf vor, ihn einzulassen.

Und das machte ihr Heidenangst.

Er hörte mit seinen sexuellen Liebkosungen auf, legte seine Arme um sie, küsste ihren Hals. „Schon okay, Lucy. Vertrau mir! Ich werde mich um dich kümmern, das verspreche ich.“

Das hatte sie vorher schon gehört. Von anderen Männern. Aber diesmal war es Jamie. Ja, er hatte seine Fehler, aber er war nicht so wie die anderen mürrisch-düsteren, schlimmen Jungs, mit denen sie sonst herumhing. Er war mehr so wie die Jungs, zu denen sie sich hingezogen gefühlt hatte, als sie jünger war. Klug und witzig, mit einer Spur Raffinesse.

Er ähnelte dem Jungen, dem sie vor all den Jahren ihr Herz geschenkt hatte.

Mason Lancaster.

Der nun der Ehemann ihrer Schwester Gail war.

Aber anders als Mason konnte man Jamie vertrauen.

Oder nicht?

„Okay“, flüsterte sie.

„Okay was?“

„Ich …ich vertraue dir?“

Er lächelte reumütig. „Das ist nicht etwas, das man sagt, Lucy. Oder wie in deinem Fall, fragt. Es ist etwas, das man beweist.“

„Dann werde ich es dir beweisen. Ich werde … ich werde es versuchen. Wirst du mich jetzt ficken?“

„Was ich tun werde, ist, dich zum Höhepunkt zu bringen. Und weiterhin dazu zu bringen. Und bald, sobald der Zeitpunkt richtig ist, wenn du mich endlich einlässt, werde ich mit dir Liebe machen. Und das wird das Beste sein, was du je gehabt hast – weil unsere Herzen genauso darin verwickelt sein werden wie unsere Körper.“

Sie konnte nicht anders. Jamies Erwähnung von Liebe und Herzen machte sie steif, und automatisch wollte sie sich ihm entziehen. Doch er ließ es nicht zu.

Er spurte das Kolibri-Tattoo über ihrer linken Brust nach. „Schon okay“, sagte er ruhig. „Es ist okay, wenn du Angst davor hast, mir dein Herz zu schenken …“

„Ich habe keine Angst“, sagte sie. „Ich bin geil. Wirst du dein Versprechen einhalten, mich zum Höhepunkt zu bringen, oder sollen wir Schluss für heute machen?“

Sie starrten sich gegenseitig an, als würden sie einen stummen Kampf ausfechten. Schließlich sagte er: „Ich halte immer meine Versprechen, Luce! Und es wird mir ein absolutes Vergnügen sein, dieses einzuhalten.“ Um zu beweisen, wie Recht er hatte, bedeckte er ihren Mund mit seinem, während er mit einer Hand ihre Brust umfasste und mit der anderen Hand zwischen ihre Beine fasste.

Eine Stunde später lag Lucy in Jamies Armen, benommen und erschöpft durch das Vergnügen, das er ihr verschaffen hatte können, ohne eigentlich Geschlechtsverkehr zu haben.

Sie hatte gedacht, sie hätte zuvor Angst gehabt. Doch diesmal war sie so verängstigt, dass sie sich kaum zusammenreißen konnte.

Denn Jamie hatte nicht nur sein Versprechen eingehalten und ihr fantastische Höhepunkte verschafft, sondern genau das erreicht, was er sich vorgenommen hatte – die Mauer, die sie um ihr Herz herum aufgebaut hatte, einzureißen.

Sie mochte ihn.

Sie respektierte ihn.

Sie genoss es, Zeit mit ihm zu verbringen.

Und sie hatte keinen Zweifel mehr, dass sie ihn lieben könnte.

Ihr Bauchgefühl sagte ihr, dass sie schnellstmöglich ihre Kleidung anziehen sollte und machen sollte, schnellstmöglich von hier abzuhauen. Stattdessen fing sie an, sobald ihr Gehirn wieder funktionierte, seine Brust zu streicheln. Er konnte nicht Gedanken lesen, und sie würde nicht einfach mit ihrem Geständnis ewiger Liebe herausplatzen. Sie waren im Bett. Sie war nackt. Er nicht.

Dagegen mussten sie etwas tun.

Sie mochte nicht gerade die Beste sein, wenn es um Gefühle und Nähe ging, aber sie war Expertin auf dem Gebiet, wenn es darum ging, Jamie dieselbe Art von Vergnügen zu geben wie er ihr gegeben hatte. „Rate mal, wer jetzt an die Reihe kommt!“, fragte sie.

„Ich war an der Reihe“, sagte er mit einem zufriedenen Seufzer. Er küsste sie auf die Nase und sagte. „Ich habe Hunger. Und du?“

Sie runzelte die Stirn. Er wollte sie nicht. Wollte nicht …

Er nahm ihre Hand, drückte sie auf sein Glied, das gegen den Reißverschluss seiner Jeans drückte.

„Du kannst nicht bezweifeln, dass ich dich will, Luce. Aber wir haben die ganze Nacht. Ich dachte bloß, wir könnten etwas auftanken. Duschen. Für das leibliche Wohl sorgen vor der nächsten Runde. Klingt das gut?“

Sie drückte leicht seine Erektion, was ihm ein Stöhnen entlockte. „Wenn diese Runde beinhaltet, dass ich dich dazu bringe, dass du um Gnade bettelst, dann bin ich auch fürs Auftanken.“

Er holte einen tiefen, zittrigen Atemzug. „Das würde ich um alles auf der Welt nicht verpassen wollen, Süße.“

Sie erstrahlte praktisch, wenn er sie Süße nannte. Er tat es nicht oft, aber wenn, dann gelang es ihm stets, sie zufriedenzustellen. Süß war nicht der Ausdruck, den man normalerweise verwenden würde, sie zu beschreiben. Kühn. Sexy. Stark. Nicht süß.

Ihr gefiel es, dass er das von ihr dachte.

„Wohin sollen wir gehen?“, fragte sie.

„Wie wär’s, wenn wir heute Abend hier zu Abend essen würden?“

Es war eine einfache Frage, aber eine bedeutsame. Sie hatten schon viel in ihrem Apartment herumgealbert, aber noch niemals hier gekocht. Die Vorstellung, mit ihm ein Essen zuzubereiten, freute sie mehr als es sie wahrscheinlich hätte freuen sollen, doch sie beschloss, daraus keine große Sache zu machen und einfach damit weiterzumachen, was ihr Herz ihr riet. Mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Allein.

„Klingt großartig.“

„Ich werde mich kalt duschen, damit ich wenigstens versuchen kann, mich auf etwas anderes zu konzentrieren als dich wieder zu berühren, aber wenn du dich mir anschließen willst …“

„Du hast gesagt, du wärst hungrig.“

„Ich werde immer hungrig nach dir sein, Lucy.“

Oh super, dachte sie und fühlte, wie sie innerlich dahinschmolz. Mit dem Strom schwimmen war die eine Sache, aber sie konnte nicht unvorsichtig oder sentimental werden. Vom Bedürfnis überwältigt, einen Teil von sich selbst zu bewahren und wachsam zu bleiben, sagte sie: „Geh schon mal! Ich werde nachsehen, was meine Küche zu bieten hat.“

„Klingt gut“, meinte er. Er gab ihr einen leichten Kuss, erst auf die Nasenspitze, dann auf die Lippen, ehe er aufs Badezimmer zusteuerte.

Während er duschte, schlüpfte sie in einen Morgenrock und stöberte durch die Fächer des Kühlschranks. Als sie dies tat, konnte sie sich anscheinend nicht abhalten, zu lächeln.

Als sie sich das erste Mal getroffen hatten, hatte Jamie sie falsch angepackt. Als er sie das erste Mal gefragt hatte, ob sie mit ihm ausgehen wollte, hatte sie nein gesagt. Sie hatte darauf hingewiesen, dass sie zu verschieden seien. Dass er zu verschieden sei im Vergleich zu den schlimmen Jungs, mit denen sie sich sonst verabredete.

„Ich bin kein ,bad boy‘“, hatte er zugestimmt, „ich bin ein wirklicher Mann, der weiß, wie man eine Frau richtig behandeln sollte. So richtig, dass das Letzte, was sie tun wollen würde, wäre, wegzulaufen, wenn Gefühle mit ins Spiel kommen.“

Lucy hatte geschnaubt: „Ich ,laufe nicht davon‘. Ich weiß einfach, was ich will und was ich nicht will, und ich mache einen Bogen um die Dinge, die ich nicht will.“

„Und welche sind das? Eine feste, ernsthafte Verbindung?“

„Du sprichst von fester, ernster Verbindung, wenn wir noch nicht einmal ausgegangen sind? Du bist definitiv nicht die richtige Sorte Typ für mich.“

„Ich will einfach die Möglichkeiten ausloten. Ich will nicht immer eine feste, ernsthafte Verbindung. Ich hatte bereits meinen Anteil an Gelegenheitssex. Aber mit dir …“ Er runzelte die Stirn, als könnte er nicht so wirklich in Worte fassen, dass seine Gefühle für Lucy irgendwie anders waren als die, die er gegenüber anderen Frauen empfand. Dann hellte sich sein Gesichtsausdruck auf. „Was ist eigentlich falsch an einer festen, ernsthaften Verbindung? Langfristige Beziehungen können verdammt sexy sein.“

Sie hatte anscheinend nicht überzeugt ausgesehen, denn er hatte gelächelt. „Stell dir mal vor, wie sexy es sein würde, mit jemandem eine Beziehung zu haben, von dem du jede intime Einzelheit weißt. Du wärst mit jedem Quadratzentimeter seines Körpers vertraut. Du wüsstest, was jeder Seufzer bedeutet, positiv oder negativ, und du wüsstest genau, wie du die positiven verursachen könntest. Du wüsstest, dass ein bestimmtes Stöhnen schneller bedeuten würde, ein anderes langsamer, und ein langes, langsames Ausatmen bedeutet, du gibst ihm genau das, was er braucht.“

Lucy war die Luft im Hals stecken geblieben. Ihr Pulsschlag hatte sich beschleunigt, und sie war zwischen ihren Oberschenkeln feucht geworden. Sie war erschauert, deutlich genug, dass es für ihn klar sichtbar war, und er hatte noch stärker gelächelt.

Verdammt sollte er sein, dafür, dass er sie so heiß und lustempfindend gemacht hatte, hatte sie gedacht.

„Du sprichst über Sex, und ich brauche keine feste Verbindung, um Sex zu haben.“

„Nein, aber verbindlicher Sex ist der beste, den es gibt. Das solltest du mal versuchen. Geh mit mir aus, auf ein Date, und wer weiß …“

Sie hatte gelacht, aber letztendlich hatte er seinen Kopf durchgesetzt.

Sie war mit ihm ausgegangen. Und nicht nur, weil ihre Freundinnen Grace und Melina sie vor die Aufgabe gestellt hatten, einem Date mit einem ,netten‘ Jungen auch mal eine Chance zu geben. Sondern weil ihr gefiel, was er gesagt hatte, wie er aussah und vor allem wie sie sich fühlte, wenn sie in seiner Nähe war.

Als sie sich die Worte, die er gebraucht hatte, um sie dazu zu bringen, mit ihm auszugehen, nochmal ins Gedächtnis rief, dachte sie: Was für ein Mann sagt Dinge wie ,verbindlicher Sex ist die beste Art Sex‘?

Vielleicht ein Mann, dem sie tatsächlich vertrauen könnte und mit dem sie eine wirkliche Beziehung aufbauen könnte.

Vielleicht sogar heiraten …

MannoMann, Lucy! Wo war bloß dieser Gedanke hergekommen? Sie wollte doch gar nicht heiraten. Sie zwang ihre umherstreifenden Gedanken abrupt anzuhalten. Sie würde sich auf eine Beziehung einrichten, die nicht innerhalb der nächsten sechs Monate ausgebrannt sein würde.

Mit den Zutaten für ein einfaches Nudelgericht auf dem Tresen, machte sie sich daran, den Tisch zu decken, wobei sie den Haufen Papierkram und die Akten, die Jamie mitgebracht hatte, als er hereingekommen war, weglegte. Als sie sie aufräumte, verrutschten einige Blätter und fielen herunter, die sie wieder aufhob und gerade richtete, und dabei bemerkte sie die Einladung.

Sie war auf besonderes Papier gedruckt und kündigte die Verlobungsfeier von Eric Davenport mit Brianne Whitcomb an. Derselbe Nachname wie Jamies. Wahrscheinlich eine Verwandte? Die Einladung zeigte an, dass die Verlobung am Wochenende zuvor stattgefunden hatte, als Jamie gesagt hatte, er würde seine Eltern besuchen. Zu dieser Zeit hatte sie sich gefragt, warum Jamie, wenn er schon so auf feste Verbindungen aus war, sie nicht eingeladen hatte, mitzufahren; doch dann sagte sie sich, dass wenn sich die Dinge zwischen ihnen weiterentwickeln würden, sie seine Familie schließlich irgendwann treffen würde.

Gab es einen Grund, warum er ihr nichts von der Verlobungsfeier erzählt hatte?

War es möglich, dass er mit jemand anderem dort gewesen war?

Unsicherheit durchströmte sie, und plötzlich fragte sie sich, ob es ihm wohl peinlich gewesen war, sie seiner Familie vorzustellen, oder ob die Gefühle, die er angeblich für sie hatte, womöglich eine Lüge waren.

Aber nein, das war nur wieder ihre übliche Wahnvorstellung und zynisches Gerede. Vielleicht hatte Jamie ein oder zweimal angedeutet, dass sie sich zu provokativ anzog, aber das war nicht so ungewöhnlich; Männer tendierten dazu, besitzergreifend zu sein. Er hatte nie etwas getan, das angezeigt hätte, dass er wegen ihr verlegen wäre. Oder dass sie ihm nicht vertrauen könnte.

Dann sprang ihr die Örtlichkeit, wo die Verlobungsfeier stattgefunden hatte, ins Auge.

Joyau Cache in Paris, Frankreich.

Er war nach Paris geflogen fürs Wochenende zu einer Verlobungsfeier? Das musste ihn ja ein kleines Vermögen gekostet haben.

Wer tat so etwas?

Menschen wie ihr Vater und ihre Mutter, zum Beispiel. Menschen, die sehr reich waren. Menschen, die Lucys Erfahrung nach oft dachten, sie wären besser als die meisten anderen.

Besser als sie. Es spielte keine Rolle, dass sie selbst aus einer wohlhabenden, respektablen Familie stammte, weil sie sich nicht so verhielt wie eine respektable, wirkliche Lady sich verhalten sollte. Sie war in ihrer eigenen Familie als Seltsamkeit behandelt worden, solange sie zurückdenken konnte. Ihre eigene Familie hatte bewirkt, dass sie sich schlecht fühlte, einfach nur deswegen, wie sie eben war. Um sicherzustellen, nie mehr wieder diese qualvolle Ablehnung spüren zu müssen, verabredete sie sich nie mit Männern aus reichem Hause.

War es möglich, dass Jamie reicher war als er durchblicken ließ?

Plötzlich hatte es den Anschein, als hätte der Kommentar über ihre provokative Kleidung weniger mit Besitzanspruch zu tun gehabt, sondern wäre eher eine Frage der Beurteilung gewesen. Die Tatsache, dass er sich sexuell zurückhielt, wurde auf einmal zu Spiel und Manipulation, diente weniger der Begründung, ihren Herzen Zeit zu geben, sich einander zu öffnen. Hatten nicht andere Jungs, einer im Besonderen, vorgegeben, sie zu lieben, nur um sie dann abzuschütteln, sobald er das, was er gewollt hatte, bekommen hatte? Ihrer Erfahrung nach taten die reichen Jungs dies besonders gern. Sie spielten Spiele. Sie logen, um das, was sie wollten, zu bekommen.

„Hey“, sagte er hinter ihr.

Sie drehte sich um und sah Jamie frisch und glücklich aussehend, doch als er die Einladung in ihren Händen sah, wurde sein Gesicht blass.

Jegliche Hoffnung, die sie in sich getragen hatte, dass sich die Dinge zwischen ihnen weiterentwickeln könnten, verschwand.

Weil er schuldig aussah.

Und da wusste sie es.

Wieder einmal war sie eine Närrin gewesen.

Und er war derjenige, der sie dazu gemacht hatte.

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