Mit Dem Boss Im Bett Auszug

Am Vorabend seiner Hochzeit mit Brianne Whitcomb saß Eric Davenport neben dem Bett, in dem seine Verlobte lag, und wartete auf das Geräusch, das das Ende seines Lebens, so wie er es gekannt hatte, bedeuten könnte oder zumindest das Ende seines Lebens mit Brianne.

Als Vizepräsident der Firma, durch die sein Vater zum Multimillionär aufgestiegen war, bevor er vierzig wurde, hatte Eric eine privilegierte Erziehung genossen und war mit dem Wissen ausgestattet, dass es für ihn immer einen Platz im Unternehmen seines Vaters geben würde. Ihm war bewusst, wie viel Glück er hatte, und er hatte das Leben in vollen Zügen genossen. Doch in letzter Zeit hatte ihn eine gewisse Rastlosigkeit erfüllt. Er fühlte sich unzufrieden. Und dieses diffuse Gefühl der Unzufriedenheit hatte sich allmählich verstärkt und auf alles Einfluss genommen: auf seine Arbeit, das Zuhause, sogar auf seine Beziehung zu Brianne. Die gleiche Unzufriedenheit hatte er auch in ihr wahrgenommen, aber er hatte dies auf Stress zurückgeführt, indem er sich einredete, dass sich die Dinge wieder normalisieren würden, sobald die Hochzeit über die Bühne gegangen wäre.

Dann hatte er vor einer Woche die Wahrheit herausgefunden.

Ach Gott, Brianne, in was für ein Schlamassel haben wir uns da hineinmanövriert, dachte er.

Brianne schlief tief, denn sie war sicherlich erschöpft von dem Besuch der Freunde und der Familie, die zu dem am frühen Abend stattfindenden Probedinner gekommen waren, ganz zu schweigen von all der Arbeit, die in der Vorbereitung und Planung einer Hochzeitsfeier in den feinsten Kreisen der Gesellschaft steckte. Auch wenn Brianne von Beruf nicht Eventmanagerin wäre, hätte sich die Hochzeitsplanung durch Briannes Perfektionismus und Sinn für Ästhetik als schwierige Aufgabe erwiesen, aber angesichts ihres gewählten Berufs, war sie erst recht fest entschlossen, eine Veranstaltung zu organisieren, über die die Leute noch jahrelang reden würden.

Das Witzige an der Sache war, dass Brianne trotz ihrer Verbindungen zur High Society eine der bodenständigsten, nettesten und freundlichsten Frauen überhaupt war, ganz zu schweigen von ihrer umwerfenden Schönheit und einem Körper, der für die Sünde geradezu geschaffen war. Kein Wunder, dass er die Gelegenheit, sich mit ihr zu verabreden, ergriffen hatte, als sie sich ihm bot, und daraus waren dann sechs fantastische Jahre geworden.

Doch jetzt hatte er den Verdacht, dass sie beide sich selbst an der Nase herumgeführt hatten. Jetzt fragte er sich, ob die Tatsache, dass sie von der ganzen Welt als das ideale Paar betrachtet wurden – der Mann sowie die Frau stammten aus einer ähnlichen sozialen Schicht, teilten die gleichen Interessen und stritten sich nie – irgendwie die Tatsache verschleiert hatte, dass sie eigentlich viel besser als gute Freunde zueinander passten und nicht als Geliebte.

Indem er all die Gründe ignorierte, die erklärten, warum er und Brianne zusammengehörten, spielte er nun des Teufels Advokat, und konzentrierte sich nur auf die Gründe, die darauf verwiesen, das dem nicht so sein könnte.

Insbesondere auf einen sehr bedeutsamen Grund.

Er wünschte sich, dass er das nicht tun müsste. Dass er seine Bedenken als typisches Nervenflattern vor einer Hochzeit abtun könnte. Er wünschte sich, jetzt zu Brianne ins Bett steigen zu können.

Sie in die Arme zu nehmen.

Ihr zu sagen, wie sehr er sie liebte.

Ihr zu sagen, wie aufgeregt er sei, am nächsten Tag vor all ihren Freunden und der Familie die ewigen Gelübde der Treue mit ihr auszutauschen.

Das war es, was er tun und wie er sich fühlen sollte.

Er hatte den Rest seines Lebens mit ihr verbringen wollen. Aber das war zu dem Zeitpunkt, als er sich selbst überzeugt hatte, dass sie die gleichen Gefühle hatte.

Stattdessen würde er wahrscheinlich etwas tun müssen, was seine Familie und Freunde nicht verstehen würden, etwas, wofür ihn Brianne aller Wahrscheinlichkeit nach abgrundtief hassen würde – zumindest eine Zeitlang. Obwohl er, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun, eingestehen musste, dass es, wenn er die Hochzeit absagen würde, für Brianne nicht gänzlich überraschend käme. Sie hatte auch gespürt, dass zwischen ihnen irgendetwas nicht stimmte. Vorhin hatte sie ihn gefragt, ob er, Eric, sich die Sache noch einmal überlegen wollte.

Worüber sie nicht gesprochen hatte, waren die Gründe, warum sie selbst sich die Sache eventuell noch einmal überlegen wollte.

Als könnte sie seine Gedanken lesen, rührte sich Brianne in exakt diesem Moment. Sie streckte die Arme und Beine aus und lächelte auf eine Weise, wie er sie eigentlich nie zuvor hatte lächeln sehen. Dann stöhnte sie. Das Geräusch war gehaucht und lustvoll. Ihre Hand wanderte zu ihrer Brust, umfing den üppigen Hügel und verriet den erotischen Inhalt ihres Traumes, bevor sie erneut stöhnte.

Eric schloss die Augen und hörte zu, welche Worte von ihren verführerischen Lippen perlten.

Sie sagte, dass sie ihn begehrte. Sie sagte, dass sie ihn brauchte.

Nur der Name, den sie nannte, war nicht Eric.

Es war der Name seines besten Freundes.

Gabe.

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