Hochzeit Mit Dem Bad Boy Auszug

„Mein Hintern sieht ja riesig aus!“, erklärte Lucy Conrad, eine von Grace Sinclairs besten Freundinnen, als sie in dem bodenlangen Spiegel ihr Spiegelbild begutachtete. Sie war von Kalifornien nach Las Vegas geflogen, um mit Grace und ihrer gemeinsamen Freundin Melina Parker ein wenig Zeit unter Frauen zu verbringen. Nachdem sie zu Mittag gegessen und einen Film angeschaut hatten, waren sie nun unterwegs, um Kleider einzukaufen. Das machte man am besten in Bliss, einer angesagten Boutique für Hochzeitskleider im Zentrum von Las Vegas. Lucy hatten einen Blick auf das im Fenster ausgestellte, pflaumenblaue Abendkleid mit Neckholder geworfen und darauf bestanden, es anzuprobieren; es könnte in die engere Auswahl für die Kleider der Brautjungfern kommen.

Offensichtlich war sie nun, da es ihren Körper umhüllte, viel weniger davon begeistert, was eigentlich albern war, denn sie sah fantastisch aus. Grace war gerade im Begriff, ihr das sagen, als Melina aus der Umziehkabine kam.

„Ziemliche Überbreite“, meinte Melina, obwohl sie in dem champagnerfarbenen Meerjungfrauenkleid wirklich atemberaubend aussah.

Grace rollte mit den Augen. „Hört bitte sofort auf, alle beide! Keine von euch könnte irgendwie noch umwerfender aussehen!“

„Das Kleid ist echt schön“, meinte Melina, während sie sich vor dem Spiegel herumdrehte. „Aber offenbar hat der Designer, als er es entworfen hat, nicht an den Hüftumfang einer Mutter von zweijährigen Zwillingen gedacht.“

„Und dieses Kleid ist auch nicht ganz passend für das Hinterteil einer Mama einer vierzehn Monate alten Tochter. Ach nein, stopp, wir sind eigentlich dabei, Milly zu adoptieren. Also hat niemand anders Schuld als Ben und Jerrys Kirscheis“, sagte Lucy mit reuelosem Grinsen.

Vor gerade mal acht Monaten hatte Lucy Jamie Whitcomb geheiratet, und obwohl sie und Jamie noch im Adoptionsprozess von Milly steckten, der Nichte, für die Lucy das Sorgerecht zugesprochen bekommen hatte, als ihre Schwester gestorben war, spielte es eigentlich keine Rolle, dass die Beziehung noch nicht offiziell gemacht worden war––Milly war jetzt schon Lucys und Jamies Tochter.

Lucy hob vielsagend die Augenbrauen. „Abgesehen von dem großen Hintern ist es ganz gut, dass ich so einen gutaussehenden Körper habe. Jamie hat mich sowieso völlig ohne Kleider am liebsten. Wenn es nach dem Willen dieses Mannes ginge, würden wir unsere eigene Nudistenkolonie eröffnen, mit ihm und mir als den einzigen Mitgliedern. Er hat eine gewisse Vorliebe fürs Rollenspiel entdeckt, und sagen wir mal so: Die Rollen sind von der Art wie Tu-was-dir-dein-Meister-befiehlt-und-dazu-zählt-auch-zeig-mir-deine-Titten.“

Melina und Grace stöhnten auf. „Zu viel Info“, sagte Melina.

Lucy schnaubte. „Und das sagt ausgerechnet die Frau, die uns alles über ihre Handschellensammlung erzählt hat –– und zwar diejenige, die nicht für Rhys‘ Zauberkunststücke vorgesehen ist.“

„In der Tat hat er mir gerade wieder ein besonders hübsches Paar geschenkt. Etwas mehr industriell angefertigt als die, die wir in der Vergangenheit verwendet haben, und somit eine ziemlich nette Abwechslung.“

Grace hielt sich die Ohren zu. „Bitte, hört auf! Ihr sprecht von Max‘ Bruder –– meinem zukünftigen Schwager. Und du…“ Sie wandte sich an Lucy. „Ich bin überrascht, dass Jamie es ein paar Tage ohne dich aushalten kann, wenn du hier bist. So wie ihr beide aufeinander abfahrt, das ist ja…“ Grace lachte. „Ach was, wem mache ich da etwas vor? Es ist fabelhaft, Luce. Ich freue mich für dich, dass die Flitterwochen weitergehen.“

„Hey, wir müssen uns ranhalten, um mit euch und den Dalton-Brüdern mitzuhalten. Rhys sah aus, als würde er gleich losheulen, als Melina und ich das Haus verließen, und das hatte nichts damit zu tun, dass wir ihn mit Charlie und Tabitha allein ließen. Er schaut Melina immer noch so an, als würde er ihr am liebsten jeden Moment die Kleidung vom Leib reißen…mit seinen Zähnen.“

Melina errötete. „Max hat in Gegenwart von Grace den gleichen Gesichtsausdruck. Stimmt’s, Grace?“

Grace warf Melina einen wissenden Blick zu.

Lucy zuckte die Achseln. „Ja genau, wir sind eben tatsächlich drei sehr glückliche Frauen. Jetzt wollen wir mal sehen, ob wir etwas von diesem Glück dahin transferieren können, Kleider zu finden, die ein wenig schmeichelhafter sind. Dein besonderer Tag soll auf jeden Fall absolut perfekt sein, Grace. In diesem Punkt wird Max nicht mit sich spaßen lassen.“

Grace musste Lucy diesbezüglich zustimmen. Wenn es darum ging, sie glücklich zu machen, setzte Max alle Hebel in Bewegung. Zum Teil konnte sie es immer noch nicht glauben, dass er von allen Frauen auf der Welt ausgerechnet sie ausgewählt hatte, eine Frau, die nicht imstande gewesen war, mit einem Mann einen Orgasmus zu haben, bis sie ihm begegnet war. „Ich finde zwar, ihr seht beide großartig aus, aber wir haben ja noch jede Menge Zeit, um das perfekte Kleid zu finden. Die Hochzeit ist ja erst in vier Monaten.“

„Wird Max überhaupt in der Lage sein, so lange zu warten?“, fragte Melina. „Er ist so erpicht darauf, dich endlich zu seiner Frau zu machen.“

Grace lächelte bei diesem glücklichen Gedanken. „Ich bin genauso erpicht darauf. Und ich kann es kaum erwarten, dass du meine Schwägerin wirst. Aber Max und ich kamen überein, eine einjährige Verlobungszeit einzuhalten, damit er sich voll auf seine neue Show konzentrieren kann. Offenbar war dies die richtige Entscheidung, in Anbetracht der Tatsache, wie gut sie läuft.“

Max war der Hauptakteur in seinem eigenen Zaubertheater, das er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Rhys managte. Miteinander dachten sie sich neue Zaubertricks aus und studierten jeden Schritt der Vorführung genau ein. Vor Kurzem hatten sie die Darbietung so umgestaltet, dass nun auch Akrobatik und Tanz im Stil von Cirque du Soleil mit eingebaut wurde. Das hatte viel Arbeit und ein erhebliches finanzielles Risiko bedeutet, aber es hatte sich ausgezahlt. Die Show war ein Riesenerfolg mit stets ausverkauften Sälen. Grace könnte nicht stolzer auf ihren Verlobten und auf ihren zukünftigen Schwager sein. Die Hochzeit hinauszuschieben, war ein geringer Preis für ihren durchschlagenden Erfolg.

„Lucy, wie wäre es mit diesem schulterfreien Kleid dort drüben?“ Grace deutete auf die andere Seite des Raumes.

Lucy fokussierte das Kleid und nickte dann. „Gutes Auge.“ Sie schnappte sich zwei davon –– eins für sich und eins für Melina –– und ging zurück in die Umziehkabine. „Wurde uns nicht Sekt versprochen?“, rief sie laut.

„Die Verkäuferin sagte, sie wäre gleich damit zurück“, sagte Grace. „Ich werde auch ein Glas für dich ergattern, wenn sie zurückkommt und du noch beim Umziehen bist.“

Melina hielt immer noch das Kleid, das Lucy ihr gereicht hatte, ging hinüber und setzte sich vorsichtig neben Grace auf einen Stuhl. „Wow, kein Wunder, dass Meerjungfrauen lieber schwimmen. Diese Dinger hier eignen sich nicht gerade gut fürs Sitzen. Willst du nicht auch etwas probieren?“

„Du liebe Güte, nein“, sagte Grace. Ihre langsame, gedehnte Aussprache verriet ihre Südstaatenherkunft. „Ich habe mir selbst eine vierwöchige Auszeit für die Anprobe von Hochzeitskleidern auferlegt. Wenn mich nicht gerade das perfekte Kleid anspringt, konzentriere ich mich einstweilen auf andere Details der Hochzeit. Nicht dass es allzu viele Details gibt, in Anbetracht der Tatsache, dass die Hochzeit in kleinerem Rahmen stattfinden wird, aber Max bittet mich immer um Fortschrittsberichte.“

Melina nickte. „Weil er möchte, dass du das Allerbeste bekommst. Er will, dass die Hochzeit die Erfüllung all deiner Träume ist, auch wenn es eine Feier im kleinsten Kreis sein wird.“

„Er hat bereits all meine Träume erfüllt, indem er mich gebeten hat, seine Frau zu werden.“

„Ach, das ist ja so romantisch! Er ist der Glückliche. Und da der Unterricht für diesen Sommer vorbei ist, werden du und ich in der Lage sein, die restlichen Hochzeitsvorbereitungen in null Komma nichts auf die Reihe zu kriegen.“

Grace summte ein paar Töne von ‚School’s Out For Summer‘, und sie und Melina tanzten ein paar Schritte an Ort und Stelle, während sie sich mit High five abklatschten. Grace liebte ihren Beruf an der Universität von Las Vegas, aber während des Sommersemesters blieben Berufsberaterinnen wegen der geringen Anwesenheitszeit der Studenten nicht angestellt. Es würde für sie der erste Sommer in Las Vegas mit so viel freier Zeit sein, aber wie Melina schon sagte, es würde jede Menge geben, womit sie sich beschäftigen konnten.

„Da wir gerade von den Hochzeitsvorbereitungen sprechen…“ Grace‘ Gedankengänge wurden von Melinas Stimme unterbrochen. „Bist du sicher, dass es okay für dich ist, wenn ihr nach der Zeremonie keine längere Hochzeitsreise macht?“

„Max hat die Show, darum…“

„Ja, aber er hat angeboten, das Theater für ein paar Wochen dichtzumachen. Und du wolltest doch schon immer einmal nach Europa––“

Grace schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht. Wir werden später jede Menge Zeit fürs Reisen haben. Als ich der Heirat zugestimmt habe, wusste ich genau, worauf ich mich einlasse. Er ist ein berühmter Zauberkünstler, und seine Karriere ist im Aufwind begriffen, diesen Aufstieg darf ich nicht gefährden. Ich will nicht, dass er jemals bedauert, mich geheiratet zu haben.“ Sobald sie dies gesagt hatte, zuckte Grace innerlich zusammen. Am liebsten hätte sie sich für diese Worte selbst einen Fußtritt versetzt. „Ich meine––“

Zu spät. Melinas tiefer Seufzer sagte alles. „Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt, Grace Sinclair! Max würde nie bedauern, dich geheiratet zu haben, selbst wenn es bedeuten würde, die Show komplett aufzugeben. Das ist doch nicht etwa der Grund für eure lange Verlobungszeit, oder? Weil du denkst, dass du etwas tun wirst, wodurch du alles zwischen euch alles vermasselst?“

„Nein!“, sagte Grace, obwohl sie zum Teil genau das befürchtete. Sie hätte gedacht, dass sie diese Unsicherheit schon längst hinter sich gelassen hätte, aber die Besorgnis, dass sie für Max nicht gut genug sein könnte, war in letzter Zeit wieder zum Vorschein gekommen. „Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe. Es war dumm.“

Aber Melina behielt ihre gerunzelte Stirn bei, und Grace befürchtete, sie würde weiter nachbohren, darum sprang sie auf. „Wisst ihr was? Ich denke, ich werde doch ein paar Kleider anprobieren. Es ist schwer, all diesen prachtvollen Roben zu widerstehen!“ Wahllos ergriff sie ein paar Kleider. Sie war gerade im Begriff, in einer Umziehkabine zu verschwinden, als Lucy in ihrem Brautjungfern-Abendkleid heraustrat.

„Na, mit diesem Kleid kann ich mich anfreunden!“

Melina schnappte nach Luft. „Eine verführerische Prinzessin!“

„Wirklich erstaunlich“, stimmte Grace zu. „Das ist das richtige. Absolut!“

Melina bemühte sich, in dem Meerjungfrauenkleid wieder aufzustehen. „Warte! Lass mich meins erst anziehen, ehe du dich entscheidest. Vielleicht sieht es nur an ihr prachtvoll aus.“

„Das ist höchstwahrscheinlich“, sagte Lucy und konnte ihre Augen von ihrem eigenen Spiegelbild nicht losreißen.

Melina schnaubte und warf die Stola des Kleides, das sie gerade anhatte, auf Lucy. Lucy fing sie auf und band sie sich ins Haar. Grace lachte, und endlich tauchte auch die Verkäuferin wieder auf, mit dem Sekt.

„Sieht so aus, als würden Sie sich prächtig amüsieren“, sagte sie.

Grace nahm ein Glas vom Tablett und reichte es Lucy. „Ich amüsiere mich immer mit diesen beiden.“ Sie nahm ein Glas Sekt für sich und stieß mit Lucy an, deren Blick auf etwas an Grace‘ Arm gerichtet war. Sie wandte sich um, um sie anzuschauen.

„Was hast du denn hier? Da gab es wohl eine etwas wildere Rangelei im Schlafzimmer?“, kicherte sie.

Grace hatte keine Ahnung, wovon Lucy sprach, und wirbelte herum, um im Spiegel die Rückseite ihres Armes zu betrachten. Geschockt sah sie eine breite, verblasste Quetschung auf ihrer Haut. „Das ist eigenartig. Ich kann mich nicht daran erinnern, woher ich das habe.“ Obwohl Lucy Recht haben könnte. Es war durchaus möglich, dass es im Bett mit Max passiert war, da er in letzter Zeit auf köstliche Weise ziemlich ungestüm mit ihr umging.

Eine Minute später schloss sich ihnen Melina wieder an. So schön das Kleid an Lucy auch war, es sah aus, als wäre es genau für Melinas dunkles Haar und ihren Teint gemacht.

„Wundervoll!“, sagten Grace und Lucy gleichzeitig.

„Findet ihr?“ Melina nagte an ihrer Lippe.

„Sag mir nicht, dass du das nicht sehen kannst“, sagte Grace.

Melina kicherte. „Nein, ich kann es sehen. Ich sehe heiß aus. Ich wollte nur hören, wie ihr es sagt.“

„Vielleicht sollte ich als Brünette auf die Hochzeit gehen“, sinnierte Lucy. „Wir wären zusammen heiße brünette Bräute.“ Lucy hatte die Neigung, je nach Laune ihr Aussehen zu verändern. Von Natur aus war sie brünett, die meiste Zeit jedoch hatte sie ihr Haar dieser Tage in einem auffallenden Rotton gefärbt.

„Du siehst wunderschön aus, egal welche Haarfarbe du gerade hast“, sagte Grace. „Haben wir uns für das Kleid entschieden? Soll es dieses sein?“

„Ja“, sagte Melina.

„Auf jeden Fall“, sagte Lucy.

„Super! Ein weiterer Punkt, den ich auf meiner Liste abhaken kann.“ Grace hob ihr Glas, um einen Trinkspruch auszubringen.

Nachdem sie die Kleider bestellt hatten, sammelten sie ihre Sachen ein. Die ganze Zeit über spürte Grace Melinas Blick auf sich. Sie wusste, dass Melina immer noch besorgt war über das, was sie gesagt hatte, und Grace wollte sich am liebsten selbst einen Fußtritt versetzen, weil sie ihrer Freundin durch ihre Worte Anlass zur Sorge gegeben hatte. Sie lächelte beschwichtigend. „Ein weiterer Schritt in Richtung Frau Dalton. Ich kann es kaum erwarten!“

Bei ihren Worten schien sich Melina zu entspannen. „Mit einem Dalton verheiratet zu sein, ist ganz schön aufregend. Und ich weiß, dass Max alles in seiner Macht Stehende tun wird, um dich davon zu überzeugen, Grace!“

Grace verließ das Geschäft mit einem lächelnden Gesicht, glücklich und in gehobener Stimmung mit ihren Freundinnen; aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund konnte sie die Stimme in ihrem Kopf nicht stoppen, die sie nun schon monatelang quälte und die flüsterte: „Max Dalton könnte jede Frau haben, aber er wählte dich. Sorge dafür, dass er das niemals bedauert!“

Ihr Verlobter war die eine Hälfte eines heißen Duos, ein attraktiver Mann, der überall das Ziel von alleinstehenden – und nicht so alleinstehenden – Frauen war. Es war schwer, sich nicht unsicher zu fühlen, aber diesmal war Grace vorsichtig, nicht zu verraten, wie sie sich fühlte.

Bis zu dem Zeitpunkt, als sie Melina und Lucy absetzte, spürte Grace erste Anzeichen von Kopfschmerzen, die sie in letzter Zeit schon häufiger gequält hatten, dazu gleichzeitig ungewöhnlich starke Krämpfe. Und jetzt auch noch dieser Bluterguss, dachte sie. In ihrem Kopf schrillten Alarmglocken los. Hing das alles irgendwie zusammen?

Sie hatte weder ihren Freundinnen noch Max gegenüber etwas davon erwähnt, da sie ihnen keine unnötigen Sorgen bereiten wollte. Sie hatte beabsichtigt, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren, hatte es aber immer wieder hinausgeschoben, da die Symptome kamen und gingen. Als sie nun vor Melinas Haus an der Straßenseite stand, zog sie ihr Handy hervor und machte einen Termin aus. Dass sie bereits für den nächsten Tag einen bekam, betrachtete sie als Glück. Es war wahrscheinlich nichts Bedeutsames, aber vielleicht musste sie die Einnahme der Pille verändern oder anfangen, ein Vitaminpräparat zu nehmen, was sowieso eine wichtige Vorstufe wäre, um eines Tages mit Max Kinder zu haben.

Trotz aller Nervosität konnte sie es nicht erwarten, mit Max eine Familie zu gründen. Würden ihre Kinder blond sein wie Max, als er ein kleiner Junge war? Würden sie die großen blauen Augen von ihr erben? Oder vielleicht auch das markante Kinn von Max?

Sie hatte die Gewohnheit, auf die Signale ihres Körpers zu achten, und vielleicht war die Ursache für das Unwohlsein in letzter Zeit, die Krämpfe und den Bluterguss, dass ihr Körper ihr irgendetwas zu sagen versuchte. Waren das auch nicht die Ratschläge der Ärzte, dass man auf seinen Körper hören sollte? Auch die Pille war nicht hundertprozentig sicher, darum kam ihr noch ein anderer Gedanke in den Sinn…könnte es sein, dass sie schwanger war?

Das war höchstunwahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich unmöglich, und die Symptome, die sie hatte, waren denen einer Schwangerschaft ziemlich ähnlich.

Grace dachte an die Babydecke, die sie vor vielen Monaten gemacht hatte, diejenige mit ihrem und Max‘ Namen darauf, sowie das große, nicht ausgefüllte Herz, wo der Name des zukünftigen Babys stehen sollte. Diese Decke hatte sie als Zeichen ihrer Verbundenheit zu Max gemacht, um ihm zu zeigen, dass sie ihre Ängste überwunden hatte und ein ‚normales‘ Leben führen wollte, d.h. kein Leben mit einer Berühmtheit und einem Playboy, von dem die Frauen Tag und Nacht fantasierten, sondern mit einem Mann, der Grace‘ flippige Seite hervorbrachte, etwas, wovor sie eigentlich immer Angst gehabt hatte.

Wie würde Max auf die Nachricht, dass sie schwanger war, reagieren? Die Antwort kam augenblicklich: Max wäre außer sich vor Freude. Und sie auch. Ja, damit würden zwar ihre Hochzeitspläne über den Haufen geschmissen werden, aber war das Beste im Leben nicht immer das Unerwartete?

Ein Teil des Grundes, warum sie und Max überhaupt zusammen gekommen waren, lag darin, dass er zufällig von ihrem Vorhaben erfahren hatte, ein Kind zu bekommen, ohne einen Mann in ihrem Leben zu haben. Natürlich hatte er ihr seitdem immer wieder bewiesen, dass sie viel mehr verdient hatte. Sie hatte es verdient, auf den richtigen zu warten, auf den Mann, der all ihre Träume Wirklichkeit werden lassen konnte.

Sie liebten einander. Sie wollten eine große Familie. Auch wenn sie eher als erwartet ein Baby bekommen würden, würden sie ihr Kind lieben, und das Leben würde großartig sein.

Es gab überhaupt keinen Grund, sich Sorgen zu machen, dass sie Max enttäuschen könnte. Ihr Band war stärker als alle Unsicherheiten, die sie auch haben mochte. Daran musste sie sich nur immer wieder erinnern, auch wenn sie sich diesen Gedanken tagtäglich in ihren Kopf hämmern müsste.

Als sie sich wieder in den Verkehr einfädelte, strahlte Grace, da ihr Selbstvertrauen und ihre Freude zurückgekehrt waren.

Sie dachte noch einmal an das, was Lucy und Melina gesagt hatten.

Lucy hatte Recht gehabt. Sie hatte wirklich Glück, weil Max sie liebte.

Aber Melina hatte auch Recht gehabt. Auch Max hatte Glück.

Und zusammen waren sie noch besser dran. Es war ein erfüllteres Leben.

Und das durfte sie niemals vergessen.

 

* * *

 

Als Grace das Haus betrat, das sie mit Max bewohnte, entdeckte sie sofort einen Pfad aus Rosenblütenblättern, der von der Eingangstür ins Wohnzimmer führte. Lächelnd legte sie ihre Handtasche ab und folgte der Spur der Blütenblätter. Im Wohnzimmer waren alle Vorhänge zugezogen, und flackernde Lichter tanzten über die Wände und den Fußboden. Auf einem großen eisernen Kerzenständer standen dicke Kerzen wie Säulen, die aussahen, als kämen sie direkt aus einem Kloster in den Karpaten. Fasziniert folgte Grace dem Weg der Rosenblüten in das Esszimmer. Auch der Tisch war von Kerzen gesäumt, wodurch gerade genug Licht verbreitet wurde, um eine wahrhaft bunte Mischung verschiedenster Häppchen und Suppen, einzigartige Backwaren sowie ein paar Fleischgerichte zu erkennen.

Doch die Rosenblüten hörten im Esszimmer nicht auf. Mit einem immer breiter werdenden Lächeln folgte Grace den Blüten den Gang entlang, bis…

Dort am Ende des Ganges Max stand in einem lockeren weißen Button-down-Hemd und Blue Jeans. Als er sah, dass sie den Gang betrat, strich er sich mit der Hand durch sein braunes Haar, und die leichte Erregung, die sie gespürt hatte, als sie die Rosenblütenblätter und das Kerzenlicht gesehen hatte, flammte beim Anblick seines wunderbaren Körpers umso mehr auf. Das Wissen, dass er der Ihre war, reichte aus, um sie jedes Mal, wenn sie ihn sah, wieder neu in Flammen stehen zu lassen, aber ihn jetzt so vorzufinden, wie er bei Kerzenlicht und von Rosenblüten umgeben auf sie wartete, das war einfach himmlisch.

Als Zauberkünstler hatte Max einen Hang zum Dramatischen, und das hatte auch schon oft bis in ihr Alltagsleben hinein gewirkt, aber dadurch wurden seine Bemühungen keineswegs alltäglicher. Er liebte es geradezu, sie mit Romantik, Abenteuer und Geheimnissen zu überraschen, und ihr gefiel es überaus gut, überrascht zu werden. Als sie bei ihm angelangt war, nahm er sie stumm in seine Arme und küsste sie.

Sie war gänzlich unvorbereitet, als er sich löste, ein Knie beugte und dabei ihre Hand in seine nahm.

„Was tust du da, Max? Du hast mir bereits einen Heiratsantrag gemacht, Liebling – sogar auf der Bühne, wenn ich das hinzufügen darf. Oder denkst du an jemand anderen?“, neckte Grace. Sie konnte dem Ansturm der Gefühle und der Begierde nicht standhalten, der beim Anblick ihres Traummannes in ihr aufwallte, als er noch einmal vor ihr kniete, als würde er erneut um ihre Hand anhalten wollen.

„Auf keinen Fall, Dixie.“ Seine grünen Augen versanken in ihren. „Du bist die Einzige, die ich sehe. Und du bist die Einzige, an die ich denke. Willst du mich heiraten?“

„Natürlich, Max! Ich habe doch bereits ja gesagt! Ich kann es kaum erwarten, deine Frau zu werden.“ Grace zog an seiner Hand, ermutigte ihn, aufzustehen. „Die vier Monate werden wie im Flug vergehen.“

„Nicht schnell genug für mich. Und dagegen müssen wir unbedingt etwas unternehmen. Aber zuerst…“ Er umfasste ihr Gesicht und küsste sie erneut, und ihr Körper verschmolz mit seinem. Als er sie auf seine Arme hob, kreischte sie und schlang ihre Arme um seine Schultern. Sie fühlte sich leicht wie eine Feder, als er sie in ihr gemeinsames Schlafzimmer trug, wo er sie behutsam auf das Bett legte und begann, sie auszuziehen.

Grace wurde von wohliger Lust durchrieselt und bog sich ihm in Vorerwartung auf das, was kommen würde, entgegen. Max wusste genau, welche Klaviatur er auf ihrem Körper anschlagen musste, besser als jeder andere vor ihm. Und mit jeder Berührung spürte sie, wie sich ihr Begehren steigerte. Er zog sie aus, bis sie vollkommen nackt war, dann legte er seine eigene Kleidung ab.

Grace streckte die Hand nach ihm aus, aber Max trat einen Schritt zurück, um sie zu bewundern. Sein Blick, der von ihren Füßen hinauf zu ihren Hüften, über den Bauch bis zu ihren Brüsten wanderte, fühlte sich an, als würde er mit seiner Hand über ihren Körper streifen. Grace wölbte sich ihm entgegen und legte einen Arm hoch über ihren Kopf, und ihre anfänglichen Unsicherheiten waren wie weggeblasen.

Dies hier war echt. Seine Begierde nach ihr. Ihr Verlangen nach ihm. Dagegen konnte man nicht ankämpfen.

Er legte eine Hand über seine Augen, als könne er nicht glauben, dass sie hier bei ihm war. Als könne er nicht glauben, dass sie die Seine war. Dann, als sie ihn beobachtete, verhärtete sich seine Miene. Eine Intensität durchrieselte ihn, transformierte ihn. Als er seine Hände an seine Seiten legte, war er nicht mehr der sanfte, liebende Verlobte, der gerade vor ihr auf die Knie gefallen war.

Er war irgendwie anders. So, dass sich ihre Bauchmuskeln zusammenzogen und erbebten. So maskulin und urtümlich und animalisch, wild und ungezähmt. Max trat zur Bettkante, und mit seinem Blick liebkoste er immer noch ihren Körper wie mit einer tatsächlichen Berührung.

„Weißt du, was du mir antust, Grace?“ Seine Stimme war ruhig, aber der befehlerische Tonfall erregte sofort ihre Aufmerksamkeit. Sie musste sich davor hüten, ihre Abwehrmechanismen abzusenken, wenn er ruhig war, denn so war er am gefährlichsten.

Ihr Blick fiel automatisch auf seine Erregung, die sich deutlich zeigte. Der Kerzenschein tauchte seinen prachtvollen Körper in warmes Licht und betonte die Ebenen und Vertiefungen seiner Muskeln.

Max schmunzelte, schüttelte aber den Kopf. „Ich will dich, ja. Aber das ist nicht das, was du mir antust.“

Grace legte den Kopf schräg, da ihr nicht klar war, worauf er abzielte.

„Berühre deinen Bauch, Grace!“ Als sie zögerte, wurde sein Ton härter und schärfer. „Nimm deine Hand und streichle über deinen Bauch!“

Sie tat, was er gesagt hatte, und die Berührung, auch wenn es mit ihrer eigenen Hand war, elektrisierte sie, weil er den Befehl dazu gegeben hatte. Gebannt folgten seine Augen dem Weg ihrer Finger, als könnte er nicht wegschauen, auch wenn er es wollte.

„Berühre deine Brüste! Jetzt!“

Seine grünen Augen loderten feurig, und doch waren sie so klar wie Flaschenglas. Er führte die Regie, und sie brauchte nur seinen Anweisungen zu folgen. Er würde sie nie irreführen. Und darin lag auch eine große Freiheit.

Sie brauchte nur das anzunehmen, was er ihr momentan anbot.

Ihre Hand wanderte weiter hinauf und fand das weiche Gewicht einer ihrer Brüste.

„Auch mit der anderen Hand!“

Sofort kam auch die andere Hand herauf, um sich der ersten anzuschließen. Grace streichelte über die weiche Haut ihrer Brüste und schnappte nach Luft, als sie ihre Brustwarzen flüchtig berührte. Sie zupfte an einer, so wie Max es mit seinem Mund machte, wenn er über ihr war.

Max stöhnte auf, seine Miene war angespannt vor Lust, und seine Augen blieben auf den Weg ihrer Hände fixiert. Grace streichelte mit einer Hand an ihrem Hals entlang hinauf und dann wieder zu ihrer Brust hinunter. Sie knetete und zupfte wieder an ihren Brüsten, und diesmal musste sie ihre Beine zusammenpressen gegen den sehnsuchtsvollen Schmerz, der sich ganz schnell dort aufbaute.

Max entging diese kleine Bewegung nicht. „Eine Hand zu deiner Muschi, Grace!“

Jeder Bauchmuskel spannte sich an. Sie schob eine Hand über die weiche Haut ihres Bauches hinunter, drückte ihre Finger zwischen ihre Beine und stöhnte leise auf.

Max atmete keuchend, als er zusah, wie Grace‘ Finger in ihr selbst verschwanden. „Sag mir, wie es sich anfühlt, Grace!“

Sie stöhnte wieder und drehte ihren Kopf heftig von einer Seite zur anderen. „Feucht. Und so heiß. Für dich.“

Sie starrte staunend durch den Schleier des Vergnügens in seine lustvollen Augen. So konzentriert. Alles in ihrem Inneren wurde dadurch stimuliert, belebt und angeregt. Grace stellte ihre Füße auf und spreizte ihre Beine. Sie wollte, dass er eine gute Sicht hatte.

Sie wurde belohnt, als sich seine Lippen anspannten und aus den Tiefen seiner Brust ein Stöhnen entwich. Grace drückte ihre Finger weiter in sich selbst hinein. Mit ihrem Daumen spurte sie einen verführerischen Kreis um ihre begierige Klitoris. Bei dieser Empfindung hoben sich ihre Hüften auf der Suche nach mehr. Ihr Körper war erregt, raste auf das Glücksgefühl zu, aber sie wollte, dass er die Sache vollendete. Sie wollte sein Gewicht auf sich spüren, wollte, dass er sie auf der Erde festnagelte, während sie in die höchsten Höhen davonwirbelte.

„Ich werde…Oh Gott, Max, ich werde…“ Grace hob ihre Hüften an, sie war eine Gefangene ihrer eigenen Lust.

Plötzlich tauchte Max bei ihr auf. Sie riss die Augen auf, als er ihre Finger auf einmal mit seinem heißen gierigen Mund ersetzte. Mit seinen breiten Schultern spreizte er ihre Beine noch weiter und warf einen Arm um ihre Hüften. Dadurch heftete er sie ans Bett, so wie sie es gewollt hatte.

Seine Zunge war unnachgiebig, grob, als er sie unerbittlich weiter zum Orgasmus trieb. Er umkreiste ihre Klitoris, saugte und tauchte dann tief in ihr ein, in einem strafenden Muster, das sie dazu brachte, krampfhaft die Laken zu umklammern, die Sterne zu sehen, seinen Namen zu schreien.

Als ihr Herz in ihrem Brustkorb wie wild raste, explodierte Grace, und alles war ein einziges unbändiges vibrierendes Lustgefühl. Ihre Kehle war ausgedörrt, und ihre Muskeln zitterten, als sie sich erschöpft und vollkommen befriedigt zurückfallen ließ.

Max hob seinen Kopf und kroch an ihrem Körper entlang hoch, bis er sich über ihr aufstützen konnte. Halb erwartete Grace, ein triumphierendes Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. Stattdessen blieb sein Gesichtsausdruck ernst und zeigte intensive Begierde. In seiner Miene stand deutliches Verlangen, als er so über ihr aufragte.

„Siehst du es jetzt? Was du mir antust?“

Aber Grace konnte nicht sprechen, nachdem sie gerade die höchste Ekstase erlebt hatte. Ihr fehlten die Worte. Sie warf den Kopf zur Seite und verhedderte sich mit den Händen in ihrem Haar. „Ach…Max…“

Sie wusste, dass sie nur stotterte, aber sie konnte es nicht ändern. Sie konnte keine Worte bilden, wenn er über ihr war, sein Schwanz zu ihr drängte und jeder Muskel deutlich hervorstach.

„Wenn du es immer noch nicht weißt, dann werde ich es dir zeigen müssen“, sagte er und legte seinen Mund an ihren Hals. Er saugte sich an dem Punkt fest, wo ihr Hals in ihre Schulter überging. Es war nicht so sehr ein Beißen, sondern ein festes Umklammern. Ein Festhalten. Mit einer Hand spielte er mit ihrer, aber mit der anderen umfasste er ihre Taille und hob ihre Hüften an, damit sie einander begegneten.

Grace spürte die Spitze seines Gliedes durch ihre geschmeidigen Falten gleiten, aber das war auch schon die ganze Vorwarnung, die sie bekam, ehe er so richtig hart einschlug, bevor seine Intensität in ihr wieder abflachte. Auch mit dem Großteil seines Gewichts auf ihr hob Grace vom Bett ab, ihre Muskeln beansprucht von dem fulminanten Glücksgefühl, wie er sie durchbohrte. In ihr, auf ihr. Überall. Er zog sich fast völlig aus ihr heraus, bevor er wieder in sie einschlug.

Das Kopfteil des Bettes knallte an die Wand.

„Ja! Max!“, stöhnte sie. Sie wandte den Kopf und brach damit seinen beißenden Kuss an ihrem Hals ab, damit nun sie mit ihren Zähnen über die gleiche empfindsame Stelle an seinem Hals streifen konnte. Er ächzte und schlug wieder in sie ein.

„Das ist es, was du mir antust“, hauchte er und umfasste ihre Taille noch fester, während er sich mit seiner anderen Hand in ihrem Haar verfing und sich darin festhielt, gerade so sehr, dass der schmerzhafte Kuss Blitzschläge durch ihren Körper sandte. „Du zerstörst mich, Grace.“ Mit jedem Wort, mit jeder Versicherung, dass er unter ihrem Bann auseinanderfiel, ritt Grace den Ansturm seines Körpers weiter in Richtung Ekstase. Sie genoss es, dass Max es verstand, sie zweimal zum Höhepunkt kommen zu lassen,während jeder andere vor ihm daran gescheitert war.

Wieder zog er an ihrem Haar, und sie stürzte über die Klippe, packte ihn und schrie und kam mit Wucht. Sie ritt auf ihrem Orgasmus, stieß gegen Max von unten.

Aber Max war noch nicht am Ende angelangt. Sein Tempo beschleunigte sich, und das Geräusch von Fleisch auf Fleisch hallte in dem Zimmer wider. Er ritt sie, tauchte in sie ein und plünderte sie.

„Du verzehrst mich“, stöhnte er ihr knurrend ins Ohr.

Max ruderte zurück und zog sich aus ihr heraus. Grace wimmerte, weil sie ihn nun verloren hatte, wimmerte erneut, als er sie an den Hüften packte und herumdrehte. Ihre empfindsamen Brüste drückten sich in die Decke, und sie konnte nur das Bettlaken ergreifen und sich wappnen, ehe er wieder in sie stieß. Sein Gewicht kam auf sie herunter, und sein Mund war noch einmal an ihrem Ohr. Sie versuchte, auf ihre Knie zu kommen, aber er stieß sie zurück, wollte, dass sie unten war, flach unter ihm niedergedrückt.

Er fuhr in sie hinein, seine Brust auf ihrem Rücken, seine Arme über ihren hefteten sie auf das Bett. Immer und immer wieder rief sie seinen Namen, allerdings gedämpft durch die Matratze. Sie spürte, wie nun er auf seinen Gipfel der Lust zuraste, seine Stöße wurden härter und schneller.

Er traf irgendeinen besonderen Punkt in ihr, was durch den Winkel möglich wurde, und Grace schrie laut auf, als sich ihr Körper erneut verkrampfte. Sie spürte, wie er sogar noch tiefer vordrang, ehe er in tiefster Lust zur Ruhe kam und sie auf der Matratze niederdrückte.

„Du beherrschst mich, Grace“, brachte er mühsam hervor. „Das ist es, was du mit mir machst.“

Sie beanspruchten sich gegenseitig, molken jedes letzte Fünkchen Lust aus ihrer stürmischen Begegnung heraus. Nur eine Sekunde lang ließ er sein volles Gewicht auf ihr ruhen, ehe er sich von ihr herunterrollte und mit einer Hand über ihr Haar streichelte. So lag er stumm keuchend da, bis sich ihre Atmung nach einem gewissen Zeitraum langsam wieder normalisierte.

Grace rollte sich herum und ließ ihre Hand mehrere stille Augenblicke lang sanft über seine Brust und seinen Bauch wandern. In ihrem Verstand wirbelte alles durcheinander, was da gerade passiert war. Die Intensität und Spontaneität des Ganzen. All die vielen Arten, wie er ihr gezeigt hatte, was er für sie empfand. Sie war so eine Närrin gewesen, seine Gefühle für sie jemals anzuzweifeln. „Was hatte all diese Romantik zu bedeuten, als ich hereinkam?“

Max rollte sich herum, um sie direkt anzuschauen. „Das war meine Art, dich zu fragen, ob du mich heiraten willst.“

„Aber das hast du doch bereits.“

„Ich wollte dich zweimal fragen, weil ich dich zweimal heiraten will“, sagte er mit irgendwie sowohl verspielter als auch ernster Miene. „Einmal in vier Monaten mit dem ganzen Drum und Dran, so wie wir es geplant haben. Aber ich will dich auch vorher heiraten, in einer Woche. Im Rathaus mit einem Friedensrichter. Auf diese Weise wird es dann, wenn ich dich nach Europa mitnehme, gleich unsere Hochzeitsreise sein.“

„Wahnsinn…was?“ In ihrem Kopf drehte sich alles. Sie stützte sich auf einem Ellbogen auf. „Wovon redest du? Europa?“

„Ich wollte vorher nichts sagen, erst wenn alles durchgeplant ist, aber ich habe versucht, eine Tour durch Europa zu organisieren“, gestand er, während er ihr Haar streichelte. „Alle Einzelheiten wurden perfekt ausgearbeitet, und wir können in einer Woche abreisen.“

Auf ihrem Gesicht zeigte sich Stirnrunzeln, als sich Enttäuschung in ihre Aufregung mischte. Eine Tour durchzuziehen war kein Urlaub. Es war fast so ähnlich wie Arbeit. Die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten würde sie alleine machen müssen, weil Max entweder für die Aufführung probte oder die Show präsentierte. Und dann gab es da auch noch das kleine Problem, herauszufinden, was, wenn überhaupt, mit ihrem Körper nicht stimmte. Sie würde mehr wissen nach ihrem Arzttermin morgen, aber…

Ihr Verlobter legte eine Hand unter ihr Kinn, um ihr Gesicht anzuheben. „Es wird eine temporeiche, geschäftige Tour werden, und jede Show wird einfach unglaublich werden. Kompliziert und engagiert.“

Grace‘ Blick fiel auf ihre Hand auf dem Bett. Sie wollte eigentlich unterstützend reagieren, vor allem weil Max so begeistert von der ganzen Sache war, doch er bestätigte auch ihre schlimmsten Befürchtungen.

Max fuhr fort, indem er ihr ganz tief in die Augen schaute. „Aber ich werde nur eine Show pro Woche machen.“

Sie begegnete seinem Blick, und Hoffnung keimte in ihrer Brust auf.

„Darum werden wir trotz der vielen Arbeit, die damit zusammenhängt, viel freie Zeit haben, um all die Orte zu erkunden, die wir besuchen, und auch viel Zeit, um uns zu entspannen und unseren Sommer zu genießen“, versicherte er ihr.

Da stieß sie einen kleinen Schrei vor Begeisterung aus und fiel ihm um den Hals. „Na, da brat mir doch mal einer einen Storch!“, sagte sie, obwohl sie gleichzeitig damit haderte, zu einem Zeitpunkt, da sie sich gesundheitlich nicht voll auf der Höhe fühlte, das Land zu verlassen.

Max lachte herzlich und drückte sie gleich noch einmal. „Ich vermute, das bedeutet, dass du begeistert bist.“

Grace schmiegte sich an seinen Hals und verdrängte jegliche Sorgen, die sie gehegt hatte. „Du hast ja keine Ahnung. Ach, ich muss unbedingt die Mädchen anrufen. Sie werden es nicht glauben können!“

„Ich habe Lucy und Melina bereits informiert. Lucy wird ihren Aufenthalt noch etwas ausdehnen, und Jamie wird zusammen mit Milly herfliegen, damit sie hier sind, wenn wir heiraten.“

„Sie wussten darüber Bescheid?“

„Melina wusste, dass die Sache in Arbeit war. Lucy habe ich es erst gestern mitgeteilt. Und Jamie kommt mit Milly morgen an, damit Lucy bis zur Zeremonie hier bei dir sein kann.“

„Ach, das ist ja so wundervoll! Ich kann es kaum erwarten, Jamie und Milly zu sehen. Und warte nur, bis Jamie Lucy in dem Kleid sehen wird, das wir ausgesucht haben.“ Sie kicherte bei der Vorstellung, wie Lucy und Melina ihre neuen, unglaublich heißen Kleider vor einem Friedensrichter tragen würden. Nein, entschied sie, sie würden auf die formelle Zeremonie warten, bis sie diese Kleider trügen, aber das bedeutete, dass sie noch einmal shoppen gehen konnten, um Kleider einzukaufen, die ein wenig legerer waren. Grace setzte sich auf. Sie wusste, dass ihr Haar wie ein durch Sex verworrener Heuhaufen aussehen musste, doch das kümmerte sie nicht. „Ach du meine Güte, da habe ich ja jetzt eine Menge zu tun, wenn wir das durchziehen wollen.“ Sie wandte sich Max halb in Panik und halb begeistert zu. „Ich werde emsiger als eine Biene im Bienenstock sein.“

Max brach von Neuem in Gelächter aus und umarmte sie, als wäre sie das Kostbarste auf der Welt. „Es tut mir leid, dass es so überstürzt ist. Ich wollte dich heiraten, bevor wir abreisen, aber ich wollte es dir erst sagen, als ich wusste, dass die Tour eine sichere Sache ist.“

Ihr standen Freudentränen in den Augen, so überwältigt war sie. Sie konnte es kaum glauben, dass er solch eine bedeutende Überraschung organisiert hatte.

„Habe ich dir je gesagt, wie viel Glück ich habe, dass du mich ausgewählt hast?“, fragte sie ihn und nahm sein Gesicht in beide Hände. Sie küsste seine Lippen und besiegelte damit die enge Verbindung zwischen ihnen.

„Keine Chance, dass ich dich nicht ausgewählt hätte“, rief Max ihr ins Gedächtnis. „Du gehst mir unter die Haut, Dixie. Du bist ein Teil von mir. Ich kann ohne dich nicht leben.“

Seine Worte brachten sie zum Dahinschmelzen. Sie küsste ihn noch einmal und drückte ihren nackten Körper an seinen. Er berührte sie sanft, aber selbstsicher mit seinen Händen, die er an ihrem Rücken auf und ab wandern ließ, während sie sich küssten.

„Jetzt einmal zu dem Essen, das dort draußen im Esszimmer steht“, sagte sie mit einem immer stärker grinsenden Gesicht.

„Das sind alles Gerichte nach authentischen europäischen Rezepten. Ich habe mindestens ein Gericht aus jedem Land, das wir besuchen werden. Hast du Hunger?“

„Machst du Witze? Dank meines herausragenden Zauberkünstlers habe ich ziemlich großen Appetit bekommen. Außerdem müssen wir all die Kerzen ausblasen, bevor es hier noch zu brennen anfängt.“

Max rutschte vom Bett und zog Grace zu sich herauf. Dann lehnte er seine Stirn an ihre. „Zu spät. Du entflammst mich, Grace. An jedem einzelnen Tag. Und eines verspreche ich dir: Dieses Feuer wird niemals erlöschen.“

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