Harte Schale, Weicher Kern Auszug

Davis

 

Harvey Prince hat viele Namen. Jede Gruppe, mit der er zu tun hat, nennt ihn anders. Harvey, Mr. Prince oder Boss. Ein genialer Weg, um festzustellen, woher er die Person kennt, die mit ihm spricht.

Für mich und die anderen vom Thornbridge Waisenhaus ist er schon immer King gewesen.

So wie in: „Zum Teufel, ich bin kein Prinz. Ich bin ein verdammter König.“

Jetzt sitze ich in Kings imposanter Villa und arbeite an einem Computer in seinem Arbeitszimmer. Die dicken Vorhänge des Fensters, von dem aus man den Rasen überblickt, sind komplett geschlossen, blockieren jeden Sonnenstrahl, damit ich ohne Ablenkung arbeiten kann. Er hat einen großen Schreibtisch aus Holz vor dem Fenster, doch der Computer befindet sich in einer kleinen schrankartigen Einbuchtung in der Wand neben dem Fenster.

Ich arbeite am Zentralrechner des Netzwerkes und gebe Programmiercodes ein, um Informationswege umzuleiten, als ich hinter mir ein Rascheln höre.

„Wer bist du?“, fragt eine süßlich weibliche und neugierige Stimme.

Ich minimiere schnell das Fenster, in dem ich gearbeitet habe.

Dann drehe ich mich langsam in meinem Stuhl, um zu sehen, wer diese Frage gestellt hat.

Sie ist eine umwerfende Puppe mit blondem Haar, blauen Augen, ist in meinem Alter und trägt ein langes, hellblaues Sommerkleid. Sie sieht aus, als sollte sie eher auf einem Regal sitzen, anstatt im Haus herumzulaufen und mit Fremden zu sprechen. Doch sie ist hier, steht an der Tür von Kings Arbeitszimmer.

„Bist du aus Thornbridge?“ Sie kommt näher.

Ich will antworten, wirklich. Es kommt nicht jeden Tag – eigentlich nie – vor, dass ein hübsches Mädchen sich für meine kränkelnde, streberhafte, schwächliche Person interessiert. Doch ich finde keine Worte. Zum Glück hat sie die englische Sprache besser unter Kontrolle als ich.

„Du musst Davis sein“, sagt sie. „Dad hat mir von dir erzählt.“

Hat er?

Ich wusste, dass King eine Tochter hat, aber ich hätte nie gedacht, er würde seine Zeit damit verschwenden, ihr von mir zu erzählen.

Sie legt eine Hand fest auf meine Schulter. Es ist keine Berührung der Porzellanpuppe, der sie ähnelt, sondern die Berührung einer Person mit dem energischen Charakter, den auch King besitzt.

Ich befreie mich aus meiner Trance und finde meine Stimme wieder. „Dein Dad hat dir also alles über Davis, den Computerfreak erzählt, hm?“

Das bin ich für die meisten Jungs, nicht mehr als ein Computerfreak. Während die anderen, inklusive meiner besten Freunde Street, Jericho, Slate und Axel, die Straßen für King unter Kontrolle haben, bleibe ich im Waisenhaus und lerne. Die Straße ist nicht der richtige Ort für ein von Allergien, Asthma und schwachem Immunsystem geplagtes Kind. Doch am Computerbildschirm zahlt sich meine Isolation aus.

Sie neigt nachdenklich ihren Kopf. „Dad sagt, dass du gut am Computer bist, ja. Aber das ist nicht der Grund, warum ich weiß, wer du bist.“

„Wirklich? Warum dann?“

„Du bist der einzige aus Thornbridge, dem Dad so sehr vertraut, dass er ihn ins Haus lässt.“

Ich kann nicht anders, als mich geehrt zu fühlen, was bescheuert ist. Schließlich ist King ein Krimineller, der mich – schwach wie ich bin – nur deshalb in seine Nähe lässt, weil er mich dafür benutzt, seine Security zu verstärken und seine illegalen Einkünfte zu waschen. Trotzdem setze ich mich etwas aufrechter hin.

„Woran arbeitest du?“, fragt sie.

„Ich organisiere nur sein Netzwerk um, sodass alles über diesen Rechner hier reinkommt. Er will diesen Computer als Hauptzugriffsstelle, also installiere ich Software und schreibe Codes, um neue Netzwerkkontrollen einzurichten“, erkläre ich, drehe mich um und rufe die Dokumente wieder auf, damit sie es sehen kann.

„Das ist so cool“, sagt sie. Sie holt sich einen Stuhl und schiebt ihn neben mich.

„Was hast du vor?“, frage ich nervös.

„Ich habe Informatik in der Schule, aber was du machst habe ich noch nie gesehen. Stört es dich, wenn ich zusehe?“ Sie setzt sich neben mich und beugt sich nach vorne.

„Nein, gar nicht. Was du hier siehst, ist eine DOS-Anwendung. Sie gibt mir Zugang zum Netzwerk-Zentralrechner. Ich könnte eine beliebige Zahl an Anwendungen nutzen, um dies zu simulieren, dann könnte ich aber lediglich tun, was diese Programme zulassen. Auf diese Weise bin ich selbst die einzige Einschränkung.“ Ja, ich gebe ein bisschen an, aber das ist etwas, wozu ich nicht oft Gelegenheit habe.

„Du schreibst also gerade dein eigenes Programm“, stellt sie klar.

„Das stimmt.“

„Warum bringen sie uns so etwas nicht in der Schule bei?“

„Weil es da draußen genug Programme gibt, die das meiste für dich erledigen“, antworte ich automatisch und merke dann, wie arrogant das klingt. „Ich will damit nicht sagen, dass die meisten das hier nicht können. Jeder kann es. Sie denken einfach, dass es keinen Bedarf gibt, es zu lehren.“

Sie lacht und nickt. „Ja, sicher.“

„Ich hoffe, hier ist alles in Ordnung.“ Kings Stimme dröhnt durchs Zimmer, als er eintritt. Er ist breit und groß, immer tadellos gekleidet in Anzug und Krawatte, sein dunkles Haar nach hinten gestrichen. Seine Tochter hat ihre Haarfarbe offensichtlich von ihrer Mutter, die, soweit ich weiß, an Krebs starb, als sie noch ein Baby war. So heißt es zumindest. King redet mit uns nicht gerade über sein Privatleben.

Kings Augen weiten sich, als er mich neben seiner Tochter sitzen sieht. „Oh, Davis, wie ich sehe hast du Bella kennengelernt.“

Bella. Ich wiederhole ihren Namen in meinem Kopf. Er ist so schön wie sie.

„Ja, Sir“, sage ich. „Ich war gerade dabei ihr zu erklären, was ich tue.“

„Gut. Sie könnte etwas Hilfe in der Schule gebrauchen. Wenn du hier fertig bist, kann du einmal die Woche vorbeikommen und ihr Nachhilfe geben.“

Was? „Ver…verzeihung Sir. Nur, ähm…in Informatik, oder w-was?“ Wieder habe ich Probleme damit, Sätze zu bilden. Es muss für beide schmerzlich offensichtlich sein, wie nervös ich bin.

„Was auch immer sie braucht, Davis. Ich bin mir sicher, du kriegst das hin.“ Er legt mir eine Hand auf die Schulter und tätschelt mich, etwas, das er noch nie getan hat. Dann verlässt er den Raum.

Ich sehe Bella an, und sie sieht genauso verwirrt aus wie ich mich fühle. „N-naja, ich, ähm…sieht so aus, als würde ich dir N-Nachhilfe geben.“

Sie lacht und hält sich dann die Hand vor den Mund. „Tut mir leid“, sagt sie. „Es ist einfach so süß, wenn du das tust.“

„Ja, das passiert oft, wenn ich nervös bin“, gebe ich zu.

„Dann – so sehr ich dein Stottern auch mag – hoffe ich, dass du es in meiner Gegenwart nicht mehr lange tun wirst.“ Sie lächelt, und ich lächle zurück. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich mein Leben gerade irgendwie unwiderruflich verändert hat.

Eine Woche später holt mich Kings Rolls Royce am Waisenhaus ab und bringt mich zu seinem Haus, wo ich Bella ihre erste Nachhilfestunde gebe. Kings Butler öffnet wie gewöhnlich die Tür und geleitet mich hinein, wo Bella wartet. Dieses Mal trägt sie Shorts und ein Top. Sie zeigt jede Menge Haut, und ihr Top entblößt Bauchnabel und ihre schmale Taille. Ich will sie küssen und ihre weiche, glatte Haut berühren.

„Davis“, begrüßt sie mich.

„Ja, hey.“ Nach dem Erklimmen der Steinstufen, die zur Tür hinaufführen, und dem Schock, so viel von ihr zu sehen, bin ich atemlos, und das ist die beste Begrüßung, die ich hinbekomme.

Es scheint sie nicht zu stören. Doch sie hat von ihrem Vater vermutlich schon von meinen zahlreichen Leiden gehört. „Es ist schön, dich wiederzusehen. Komm mit.“ Sie dreht sich um und führt mich nach oben.

Ich folge ihr und erstarre, als sie plötzlich stehen bleibt und sich umdreht. „Du kannst hier warten, Phil.“

Erschrocken drehe ich mich um und erblicke den massigen Typ in Anzug, der aus dem Nirgendwo aufgetaucht zu sein scheint. Ich habe ihn schon mal gesehen. Er ist einer von Kings Bodyguards. Nur dass King ihm jetzt, wie mir klar wird, Bellas Schutz aufgetragen hat.

„Sorry, Miss Prince“, sagt Phil. „Sie wissen, dass ich Sie mit niemandem alleine lassen kann.“

„Das ist nicht irgendjemand. Das ist Davis, und mein Vater vertraut ihm. Wenn du mir nicht glaubst, ruf ihn an.“

Mit leerem Ausdruck zieht Phil sein Handy aus der Tasche und wählt eine Nummer. Dann sagt er: „Miss Prince hat mich gebeten, sie mit ihrem Besucher, Davis, alleine zu lassen.“

Nach einigen Sekunden sagt Phil: „Wie Sie wünschen, Sir.“ Dann beendet er den Anruf, steckt sein Handy zurück und sieht mich an. „Sie können hinaufgehen. Ich werde genau hier warten“, sagt er, und ich weiß, dass ich mir die versteckte Drohung in seiner Stimme nicht einbilde.

„Danke, Phil“, sagt Bella mit einem Grinsen, nimmt mich dann an der Hand und zieht.

Ich muss kräftig schlucken. „O-okay. K-k-klingt, ähm, klingt gut.“ Ich klinge wie ein Volltrottel.

Als ich ihr folge, necken mich ihre Shorts mit dem Versprechen auf weitere Einblicke. Sie verdecken kaum etwas, und ich stelle mir vor, wie ich ihr die Shorts herunterziehe und sie dann durch ihr Spitzenhöschen streichle.

Komm runter, Junge. Sie ist tabu, und Phil wartet nur auf einen Grund, dir die Beine zu brechen.

„Wir werden in meinem Zimmer arbeiten, damit wir etwas…Privatsphäre haben.“

Als wir ihr Zimmer betreten, ist es nicht, was ich erwartet hatte. Ich hatte mit rosa Wänden und Postern von Teenie-Schwärmen gerechnet, die ich nicht kenne. Seiten aus Magazinen, Bilder von ihren Freunden, das volle Programm. Stattdessen ist das Zimmer makellos. Ihre Möbel passen zum dunklen Holz im Rest des Hauses. Es stecken lediglich einige Bilder am Spiegel über ihrer Kommode.

Sie zieht einen Stuhl unter dem Tisch hervor, wo ihr Computer steht. „Du kannst dich auf mein Bett setzen.“

Ich nehme meinen Laptop und mein Tablet aus dem Rucksack und setze mich aufs Bett.

„Also, in welcher Klasse bist du?“, frage ich.

„Zehnte“, antwortet sie.

Ich sehe sie an. Sie ist nur ein Jahr jünger als ich, aber ich habe die Highschool bereits durch ein beschleunigtes Hausunterrichtsprogramm abgeschlossen.

„Falls du dich wunderst, ich bin sechzehn“, sagt sie.

Ich nicke. „Ich, ähm, versuche nur herauszufinden, wo wir anfangen sollen.“ Ich öffne die Lektionen in Informatik, die ich für sie vorbereitet hatte. Wenn sie mehr als die Basics lernen möchte, die sie in der Schule behandeln, bin ich vorbereitet.

„Naja, ich dachte, wir könnten damit anfangen, uns etwas besser kennenzulernen.“ Sie schiebt meinen Rucksack zur Seite und setzt sich auf die andere Seite meines Laptops.

Mir bleibt die Luft im Halse stecken. „Ich wüsste nicht, warum wir uns nicht kennenlernen können, während wir arbeiten“, sage ich und versuche, mich auf den Bildschirm zu konzentrieren, während sie sich über den Laptop beugt.

Sie blickt mich so lange an, bis mein Gesicht brennt. „Du bist süß“, sagt sie schließlich, und ich fühle, wie das Bett sich bewegt, als sie wieder aufsteht. Sie geht zurück zum Computer und setzt sich aufrecht auf den Stuhl. „Okay, ich bin bereit. Dieses Mal bin ich brav“, neckt sie.

Ich stehe auf und stelle mich hinter sie. Ich atme tief durch, zwinge mich dazu, mich auf den Unterricht zu konzentrieren, nicht auf den wunderschönen Kopf blonden Haares, der sich genau auf meiner Brusthöhe befindet. Noch einen halben Schritt nach vorne, und sie könnte ihren Kopf an mich lehnen.

„Zuerst, hast du eine kabellose Maus?“

„Ja.“

„Gib sie mir.“ Ich strecke meine rechte Hand aus.

„Was?“

„Gib sie mir einfach. Wir werden einige Tastenkombinationen durchgehen, die bei so gut wie jedem Programm funktionieren, das du je benutzen wirst. Ich werde dir beibringen, deinen Computer ohne Maus zu bedienen. Das wird am Anfang lästig sein, aber sobald du diese Befehle kennst, wirst du deinen Mitschülern bereits etwas voraushaben.“

Sie gibt mir die Maus, und wir fangen an. Sie begreift schnell, was ich ihr zeige, und am Ende unserer ersten Stunde kann sie ihren Computer neu booten und kommt ins Betriebssystem. Sie lächelt und sieht mich an. Ich kann nicht widerstehen und lege meine Hände leicht auf ihre Schultern. „Gut gemacht, Bella. Du bist eine…“

Ein plötzliches Klopfen an der Tür, dann wird diese von Phil, dem Wächter von unten, geöffnet. Er steckt seinen Kopf rein. „Es ist Zeit zurück nach Thornbridge zu fahren“, sagt er.

Erschrocken ziehe ich meine Hände von Bellas Schultern zurück.

„J-ja, Sir. Ich packe m-meine Sachen z-zusammen.“ Ich stopfe meinen Laptop zurück in den Rucksack. Bella und ich verabschieden uns, und ich gehe mit Kings bewaffnetem Leibwächter nach unten.

In den nächsten Wochen arbeiten Bella und ich mit verschiedenen Programmen, bewegen uns von Tastatur- und Systembefehlen zu spezifischen Programmfunktionen, die sie kennen muss. Ich ertappe mich dabei, wie ich jeden Besuch herbeisehne und Woche für Woche plane, an was wir arbeiten werden.

Jedes Mal, wenn wir zusammen sind, wird es schwieriger, die Tatsache zu verstecken, dass ich mich zu ihr hingezogen fühle. Doch das scheint sie nicht zu stören, denn sie flirtet einfach weiter mit mir. Ich versuche, nicht zu reagieren, denn: 1) ein Teil von mir kann nicht ganz glauben, dass sie nicht doch bloß mir spielt, und 2) sie ist Kings Tochter. Auch wenn es ihn scheinbar nicht zu stören scheint, dass ich ihr Computerunterricht gebe, bezweifle ich, dass es ihm gefallen würde, wenn wir intimer werden würden.

Doch als wir uns das nächste Mal treffen, wird klar, dass Bella entschlossen ist, eine Reaktion von mir zu bekommen.

Sie sitzt neben mir auf dem Bett, unsere Schultern berühren sich. „Tastaturbefehle und die einfachen Abkürzungen, die du für Systembefehle nutzt, sind einfach. Aber ich bin mir mit den Formeln und solchen Dingen noch ein bisschen unsicher. Kannst du mir das zeigen?“

Mach keine Dummheiten, erinnere ich mich selbst. Doch jedes Mal, wenn sie sich bewegt, reibt sie sich an mir, und genauso gut könnte ihre Hand in meiner Hose stecken und nicht nur ihre Schulter an meiner lehnen.

„Wie hast du das gemacht?“, fragt sie mich und zeigt auf den Bildschirm, nachdem ich manuell eine Formel in eines der Felder eingegeben habe.

„Naja, ähm, ich – hm.“

Ohne Vorwarnung küsst sie mich. Es ist nicht mein erster Kuss, doch in diesem Moment spielt kein anderer eine Rolle. Meine Hände klammern sich an die Seiten meines Laptops, während sie meinen Hinterkopf packt und mich an ihren Mund drückt.

Ihr Atem ist warm und exotisch. Unsere Zungen treffen sich und spielen miteinander. Ich fürchte, dass ich mich etwas zu energisch an ihrer kleinen, fügsamen Zunge bewege, die vor mir zurückzuweichen scheint. Ich beende den Kuss zuerst und starre perplex in ihre blauen Augen.

Ihre Hand bewegt sich langsam über meine Schultern meinen Arm hinunter. „Das wollte ich schon lange machen.“

Ich auch, aber ich sage nichts. Ich blinzele nur.

Sanft streichelt sie meine Wange mit ihren weichen Fingern. „Sei nicht so nervös“, sagt sie geduldig. „Ist doch alles gut.“

Aber ich fühle mich nicht gut. Mein Herz klopft in meiner Brust, als wäre es kurz davor, zu versagen. Meine Lungen fühlen sich an, als pressten sie all den Atem aus sich heraus. So wunderschön und überraschend sie auch gewesen war, als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte – das hatte ich nicht erwartet. Mein Körper bebt, als ich versuche, wieder normal zu atmen.

Mit einem abschließenden Lächeln fragt sie mich etwas über Computer, als wäre nichts Ungewöhnliches passiert.

Doch in den nächsten Wochen zieht mich Bella weiter in die Intimität, nach der ich mich so sehne. In unseren Lektionen dreht es sich immer weniger um Computer und mehr und mehr ums Knutschen. Als ich mich endlich ungezwungener fühle, entscheide ich mich dazu, den Laptop loszulassen und stattdessen sie zu halten.

Ich vergrabe meine Hand in ihrem Haar und fühle ihr Lächeln an meinem Gesicht. „Das ist viel besser“, sagt sie an meinen Lippen. Das Gefühl wie ihr Mund sich an meinem bewegt schickt Wellen der Lust durch meinen Körper.

Als es an der Tür klopft, lösen wir uns schnell voneinander, um nicht erwischt zu werden. „Bin auf dem Weg“, rufe ich, nehme meinen Computer und schalte ihn aus, bevor ich ihn zurück in meine Tasche stopfe.

Sie blickt mich mit gehobener Augenbraue an.

„Was?“, frage ich, und ein Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit, sobald unsere Blicke einander begegnen.

„Du hast nicht gestottert“, sagt sie leise.

Mein Lächeln wird breiter. „Nein, hab ich nicht, oder?“

Sie legt ihre Arme um meinen Hals und umarmt mich. „Das müssen wir nächste Woche fortsetzen“, flüstert sie in mein Ohr.

Doch als die nächste Unterrichtsstunde näher rückt, geht es mir hundeelend, und ich liege krank im Bett. Allergien, Überanstrengung, wer weiß – irgendetwas hat mich platt gemacht, und ich muss ihr absagen. Während ich so im Bett liege, meine Computerausrüstung und die Bücher anstarre, mit denen ich in den letzten paar Jahren den Großteil meiner Zeit verbracht habe, kann ich nur an Bella denken. Ich muss sie sehen. Selbst wenn es keine Nachhilfe gibt, muss ich meine wunderschöne Bella sehen.

Ich schaffe es, aus dem Bett zu klettern und mich zusammenzureißen. Ich lasse mich von einem Taxi abholen. Der Fahrer lässt mich vor dem glücklicherweise offen stehenden Tor des King-Anwesens raus. Kurz frage ich mich, ob Phil zuerst schießen und erst dann Fragen stellen wird, doch ich entscheide mich, das Risiko einzugehen.

Zu Fuß nähere ich mich dem Haus, gehe die Einfahrt entlang, bis Bellas Fenster in Sicht ist. Ich sehe sie auf dem Bett sitzen, doch sie ist nicht alleine. Jemand hat einen Arm um ihre Schultern gelegt, und als ich ein Stück weiter gehe, sehe ich die Person, zu der der Arm gehört. Er ist breit mit massiven Schultern und dicken Armen. Seine Brust wölbt sich vor, und eine ihrer schmalen, zarten Hände liegt gerade auf dieser Brust. Sie sieht hinauf in sein Gesicht, und er beugt sich vor, um sie zu küssen.

Wut und ein furchtbarer Schmerz steigen in mir auf.

Ich bin so dumm.

Ich hätte wissen müssen, dass sie sich niemals wirklich für mich interessieren könnte. Wahrscheinlich hat sie mir nur Honig um den Bart geschmiert, damit ich ihr zeige, was ich für King tue. Oder, noch wahrscheinlicher hat sie mit dem Streber aus dem Waisenhaus lediglich gespielt, um sich dann hinter seinem Rücken mit ihren Freunden darüber lustig zu machen.

Ich eile zur Straße zurück und rufe mit meinem Handy ein weiteres Taxi.

Einige Tage später meldet sich King bezüglich der Nachhilfe. „Wie läuft es?“, fragt er mich, doch ich sehe ihm an, dass es ihm nicht um unseren Unterricht geht. Er möchte wissen, was sonst noch zwischen uns passiert ist.

Ich seufze und bereite mich darauf vor, was ich ihm gleich sagen werde. „Bella ist äußerst schlau“, sage ich. „Sie nimmt alles sehr schnell auf, aber ich glaube nicht, dass ich sie weiterhin unterrichten kann.“ Ich wappne mich, hoffe, dass er nicht nach einem Grund fragt, obwohl ich sicherlich ohne Probleme meine Gesundheit als Ausrede nutzen kann.

Er nickt nur. „Okay“, sagt er, aber sein Blick sagt mir, dass er versteht, warum ich ihr keine Nachhilfe mehr geben kann. Wir sind uns zu nahegekommen, und die Dinge gehen den Bach runter.

Etwas später klingelt mein Handy. Es ist Bella. Ich stelle auf lautlos und lasse den Anruf auf die Mailbox gehen.

Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Sprachnachrichten und Mails ich von ihr bekomme, bevor sie es aufgibt, mich erreichen zu wollen. Jedes Mal, wenn sie sich meldet, verspüre ich den Drang, ranzugehen. Ihre wundervolle Stimme wieder zu hören.

Aber ich kann nicht nachgeben. Ich habe sie nicht nur fast in mein Herz gelassen. Sie hatte vollen Zutritt und mich zum Narren gemacht.

Und jetzt wird mein Herz nie wieder so sein wie zuvor.

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