Denn Du Liebst Mich: Eine Novelle Auszug

„Whiskey on the rocks – kommt sofort.“ Sean O’Neill zog ein Kognakglas unter dem Tresen hervor, warf ein paar Eiswürfel hinein und schenkte schwungvoll den beliebtesten Whiskey des Restaurants ein. „Darf‘s sonst noch was sein, Walter?“

Der ältere Mann leerte den Whiskey und wischte sich dann mit dem Handrücken den Mund ab. „Im Moment nicht.“

Sean nickte und machte sich nicht die Mühe, Walter zu sagen, dass er sowieso nichts mehr bekommen würde. Walter neigte zur Völlerei – seine Frau hatte ihn verlassen und er suhlte sich nun in Alkohol. Üblicherweise musste man ihn am Ende der Nacht in ein Taxi schieben. Die arme Sau schien niemanden zu haben, der auf ihn aufpasste. Die Kinder, von denen er selten sprach, waren überall im Land verteilt. Obwohl Walter manchmal mit ein oder zwei Freunden in die Bar kam, schienen diese genauso einsam und verdrießlich zu sein wie er – nicht wirklich die richtige Gesellschaft, um ihn aufzubauen oder zur Vernunft zu bringen.

Gott sei Dank habe ich meine Brüder, dachte Sean. Nach den Tragödien der letzten Zeit – zuerst der Verlust seiner Nichte, dann das Feuer im Familienrestaurant und nun der Tod seiner Eltern – hatte es Zeiten gegeben, in denen es nur allzu verlockend gewesen war, sich selbst in die Besinnungslosigkeit zu trinken. Natürlich wusste er nur zu gut, dass selbst der stärkste flüssige Nebel nicht mächtig genug war, um wahres Vergessen herbeizuführen. Vorausgesetzt, seine Brüder würden ihn das ausprobieren lassen.

The Stylish Irish war besonders geschäftig an diesem Abend, doch Sean nutzte eine der seltenen Verschnaufpausen, um sich umzusehen. Er sah Quinn und Brady, die Ältesten, die die Grundlage der Familie bildeten. Dank ihrer Führung waren sie nun alle hier. Nicht mal ein Jahr, nachdem sie Dublin verlassen und sich in der kleinen nordkalifornischen Stadt Forestville niedergelassen hatten, führten die O’Neill Brüder bereits ein erfolgreiches Unternehmen, hatten ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt und ihre Verbindung zu lang verlorenen Familienangehörigen wurde immer intensiver. Noch besser, Seans Zukunft war voller Möglichkeiten, nachdem er wieder mit der Schule angefangen hatte. Er genoss den Luxus, abends im Restaurant zu arbeiten und sich tagsüber auf sein Studium konzentrieren zu können.

Sean störte es nicht, hinter der Bar zu stehen. Er verdiente schnelles Geld und die Gäste waren relaxt und leicht zufriedenzustellen. Nur wenige verlangten etwas Ausgefalleneres als Gin Tonic und nur selten musste er sich mit unglücklichen Kunden herumschlagen, die ihre Cosmopolitans mit Bio-Grapefruitsaft oder selbstgepflückte Limetten in ihren Margheritas haben wollten. Und das Studium? Er genoss seine Seminare enorm. Englische Literatur war schon immer eine seiner Leidenschaften gewesen, doch es gab einen anderen Grund, warum dieser bestimmte Kurs sein Dauerfavorit war und vermutlich immer sein würde.

Eine dunkelhaarige Frau mit blauen Augen tänzelte zur Bar und blendete Sean, als sie sich die Lippen nass machte. Er war weibliche Aufmerksamkeit gewohnt und konnte sich, genau wie seine Brüder, meist eine aussuchen. Und dennoch hatte er, seitdem er Irland verlassen hatte, zwar Dates aber keinen Sex gehabt. Unter seinen Brüdern war Sean schon immer derjenige gewesen, der sich am meisten für eine ernsthafte Beziehung interessierte. Außerdem gab es für ihn nur eine Frau. Eine, die er im Januar getroffen hatte. Eine, die er aufgrund der Umstände noch nicht um ein Date hatte bitten können.

Noch nicht.

„Wie geht’s dir heute, sweetheart?“, fragte Sean die Brünette mit den blauen Augen.

Ihre Augen weiteten sich. „Oh, dein Akzent!“, hauchte sie. „Woher kommst du?“

Fast musste er lachen – las denn niemand das Schild an der Tür? –, doch stattdessen sagte er so ernst wie möglich: „Aus Irland, Liebes.“

„Irland! Was führt dich nach Kalifornien?“

Der Verlust seiner Mam und seines Dads war nichts, worüber er sprechen wollte und so antwortete er mit einem schnellen Lächeln: „Die Freude, eine so hübsche Dame wie dich zu bedienen. Also, was hättest du gerne?“

Die Frau errötete und gurrte, tippte sich auf die Lippe während sie sich für einen Drink entschied. Schließlich bestellte sie einen Weißwein. Sean griff nach der Flasche – eine aus dem Weingut seines Großvaters.

Während er das Glas vor sie stellte, nannte er ihr den Preis und sie gab ihm ihre Kreditkarte. „Willst du gleich bezahlen?“, fragte er.

„Nein, schreib es auf“, antwortete sie und klimperte mit ihren Wimpern.

Sean drehte sich um. Er war auf gutes Trinkgeld aus, nichts anderes. Keine Frau außer Juliana Madison interessierte ihn, oder wie er sie bisher nur genannt hatte: Professor Madison. Sie war Gastdozentin an der Sonoma State University, wo er als Student eingeschrieben war. Professor Madison war vermutlich noch nicht einmal dreißig, doch sie strahlte eine Selbstsicherheit und Reife aus, von der sich Sean seit Beginn des Semesters angezogen fühlte.

Sie war dunkelhaarig und überdurchschnittlich groß, trug gewöhnlich nur wenig Makeup. Ihre Kleidung war professionell und ordentlich, gerade an der Grenze zum Uneleganten, und schaffte es gleichzeitig, ihre Kurven zu betonen. Sean stöhnte fast, als er daran dachte, was sie am Montag getragen hatte: einen grauen Rock und eine violette Bluse, die das Grün in ihren Augen besonders betont hatte. Als sie sich nach vorne gebeugt hatte, um einen Stift vom Boden aufzuheben, hatte sich der Stoff ihres Rockes über ihren prallen Arsch gedehnt. Er hatte sich im Vorlesungssaal justieren müssen – und er wusste, dass er nicht der einzige Kerl war. Professor Madison – Juliana – strahlte eine unangestrengte Sinnlichkeit aus, die sie bei ihren männlichen Studenten wahnsinnig beliebt machte.

Obwohl er anfangs geglaubt hatte, keine Chance bei ihr zu haben – hauptsächlich aufgrund ihrer Professor/Studenten-Dynamik und der Tatsache, dass sie einige Jahre älter war –, hatte er doch schnell ein antwortendes Interesse in ihren Augen erkannt. Dieses Interesse war im Laufe des Semesters immer größer geworden. Er war zu einem Profi im Zeichenlesen geworden; trotz ihrer Versuche, diese zu verstecken. Die Art, wie ihr Blick auf ihm ruhte, wenn er seine Ausarbeitungen abgab. Die Art, wie sie zu erröten schien, wenn er sich meldete und ihre Frage beantwortete. Während ihrer Sprechzeiten konnte sie nicht damit aufhören, mit Dingen zu spielen, als würde sie ihn ablenkend finden – oder als würde sie versuchen, ihre Hände abzulenken, um sie nicht auszustrecken, um ihn damit zu berühren. Doch vor allem war es die Hitze in ihren Augen, wenn sie ihn sah, die Sean glauben ließ, dass sein Wunsch, Juliana Madison ins Bett zu kriegen, nach alldem wohl doch nicht so weithergeholt war – und warum auch nicht? Sie waren beide erwachsen und er würde morgen ihr Seminar abschließen. Alles würde dann lupenrein sein.

„Kann ich noch einen haben?“, fragte Walter mit einem Lallen. „Nur noch einen, Seany. Kannst du einem alten Mann nicht diesen Gefallen machen?“

„Sorry, Walter, aber du bist fertig für heute. Hey, George, kannst du Walter zu einem Taxi bringen?“, rief Sean einem seiner Hilfskräfte zu, der gerade die Tische abwischte.

George hatte Walter schon oft zu einem Taxi gebracht und er nahm den älteren Mann ohne zu protestieren mit nach draußen.

„Also, wie lange arbeitest du schon hier?“, fragte die Frau, die den Wein bestellt hatte.

„Erst seit etwa neun Monaten.“ Sean sammelte leere Gläser ein und platzierte sie in dem Korb für schmutziges Geschirr unter dem Tresen. Normalerweise kümmerten sich sein Bruder Riley und dessen Freundin Erica um die Bar, doch beide hatten sich den Abend freigenommen.

„Wie schön. Ich bin sicher, dass viele interessante Menschen hier reinkommen.“

Sean lächelte. „Klar, massig.“

Trotz den mühevollsten Versuchen der Frau blieb er ungreifbar. Mit ärgerlichen Falten auf der Stirn ging sie. Er hätte ihr eindeutiges Angebot problemlos annehmen können, doch er hatte kein Interesse. Nicht das Mindeste. Die Schuld dafür gab er voll und ganz Juliana – wie konnte eine Frau, mit der er noch nicht einmal zusammen gewesen war, ihn so beeinflussen? Er war doch erst dreiundzwanzig!

„Danke, dass du dich um Walter gekümmert hast, maggot.“

Sean sah auf und sah Quinn, der mit breitem Grinsen auf ihn zukam. Sean konnte nicht anders als zurückzugrinsen. Quinn lächelte eine Menge in letzter Zeit. Grund war seine Freundin Lilly, die die letzten acht Monate in Florida als Praktikantin bei einem berühmten Konditor verbracht hatte und in wenigen Wochen nach Hause kommen würde. Quinn hatte vor, schon bald nach ihrer Rückkehr die Frage aller Fragen zu stellen und Sean könnte nicht mehr mitfiebern. Tatsächlich waren alle sein Brüder so glücklich wie noch nie – Brady eingeschlossen, der lange schwer unter dem Verlust seiner Tochter und dem anschließenden Untergang seiner Ehe gelitten hatte. Selbst Riley, dessen Frauenideal stets vollbusig, gelenkig und großzügig gewesen war, hatte in der süßen, feurigen Erica die wahre Liebe gefunden.

Seans Handy vibrierte. Er hob es an und sah eine Nachricht von seinem älteren Bruder Conor, der eine Stunde entfernt in San Francisco lebte. Con hatte sich in eine ältere Frau, Madlyn Sanchez verliebt. Madlyn war bereits Mutter gewesen, als sie Conor traf, und alle O’Neill Brüder hatten sich unsterblich in ihren kleinen Jungen Jax verliebt. Der lockere und ungebundene Conor O’Neill über Nacht als Vater? Er hatte sich in die Herausforderung gestürzt wie ein Fisch ins Wasser. Sean stellte sich vor, dass es sehr wahrscheinlich war, dass Juliana, die sogar noch älter als Conor war, bald Kinder haben wollen würde. Doch das dämpfte ihre Attraktivität nicht im Geringsten. Als sich Sean früher sein Leben vorgestellt hatte, war er in seiner Vision stets ein Professor, der abends zu einer wunderschönen Frau und einer Rasselbande Kinder nach Hause kam.

Irgendwas Besonderes heute? schrieb Con.

Nichts Ungewöhnliches, antwortete er. Walter hat zu viel getrunken, musste ihm ein Taxi rufen. Das ist alles.

Gut. Wie laufen die Seminare?

Sean überlegte kurz, ob er Juliana erwähnen sollte, doch er hatte seinen Brüdern gegenüber schon zu viel von ihr vorgeschwärmt; sie genossen es richtig, ihn damit aufzuziehen. Er antwortete nur: Sind morgen vorbei.

Doch Con schien stets die Fähigkeit zu haben, zu wissen, wann seine Brüder Mist erzählten. Was ist mit Professor Juliana? Habt ihr schon geknutscht? Conor und Juliana sitzen aufm Baum …

Sean stöhnte laut auf. Noch mehr Neckereien. Es war zu erwarten, doch er mochte es nicht, wie Conor seine Gefühle für Juliana auf ein Schulhoflied reduzierte. Es erinnerte ihn daran, wie wahrscheinlich es war, dass sie versuchen würde, ihre gegenseitige Anziehung zu leugnen. Er war entschlossen, sie dazu zu bringen, zuzugeben, dass sie Gefühle für ihn hatte. Und, wenn er bekam, was er wirklich wollte, im Namen dieser Gefühle zu handeln.

So viel ich sagen kann, ist sie … interessiert …

Die drei Punkte erschienen und deuteten an, dass Conor dabei war, zu antworteten. Dann: Na, dann ist es Zeit, dass du etwas unternimmst, oder?

Zusätzlich zu ihren Neckereien bezüglich seiner „Schwärmerei“ hatten Quinn und Brady ihn davor gewarnt, sich in seinem Alter schon festzulegen. Riley hatte dasselbe gesagt, bevor er Amors Pfeil erlegen war, doch nicht Con. Con war spiritueller. Er glaubte an Schicksal und Bestimmung. Zwei Menschen trafen sich aus einem Grund. Con war ein sentimentaler, hoffnungsloser Romantiker, der daran glaubte, dass Liebe immer ihren Weg finden würde.

Nicht, dass Sean glaubte, Juliana zu lieben. Noch nicht. Doch er wollte sie und er konnte durchaus sehen, dass sich die Anziehung mit der Zeit in Liebe verwandeln konnte. Jetzt, da das Semester vorbei war, hatte Sean nichts mehr zu verlieren. Juliana würde nicht weiter seine Dozentin sein und er konnte sein Glück bei ihr versuchen wie bei jeder anderen Frau auch. Er wusste, dass Frauen manchmal empfindlich waren, mit einem jüngeren Mann zusammen zu sein, also würde es ausschlaggebend sein, Juliana davon zu überzeugen, ihnen eine Chance zu geben. Zu beweisen, dass die paar Jahre, die zwischen ihnen lagen, keine Rolle spielen. Ihr zu zeigen, dass er kein typischer Dreiundzwanzigjähriger war, der alles fickte, was sich bewegte.

Ich verspreche nichts, tippte Sean schließlich, aber wir werden sehen.

Con antwortete mit einem Daumen-hoch Emoji und Sean schüttelte den Kopf, als er sich wieder an die Arbeit machte.

In dem Moment kam Brady aus dem Büro. Sein Gesicht sah entspannt aus, aber es leuchtete auf, als er sein Mädchen Anna mit ihren Freunden an einem Tisch sitzen sah. Seans Brust schmerzte, als er das glückliche Gesicht seines großen Bruders sah, denn er wusste, dass dieser etwas hatte, was ihm selbst gerade fehlte. Er hatte sich die Hörner abgestoßen, doch nun brauchte er mehr. Es war an der Zeit, sich weiterzuentwickeln. Juliana sollte kein One-Night-Stand oder eine bloße Schwärmerei werden: Er wollte mehr als das. Etwas Dauerhaftes – etwas Tiefgründiges.

Allein an Juliana zu denken, brachte sein Blut zum Kochen, und seine Gedanken sprudelten. Für den Rest der Nacht war sein Verstand voller Fantasien, die ihn auf Trab hielten. Endlich machte er sich, nachdem er die Bar abgeschlossen hatte, auf den Heimweg zum nahegelegenen Häuschen, das er sich mit Riley teilte. Riley verbrachte mehr Zeit mit seiner neuen Freundin als zuhause, was für Sean völlig in Ordnung war. Er liebte seine Brüder und hatte vor allem mit seinem Zwillingsbruder eine besonders enge Beziehung, doch Privatsphäre war eine Seltenheit, die er schätzte.

Als er geduscht und sich umgezogen hatte, stellte sich Sean Juliana in dem Rock vor, den sie am Montag getragen hatte. Der Rock, der ihre unglaublich heißen Kurven umspannt hatte, als sie sich nach dem Stift gebückt hatte. Ihr Po hatte die Form eines perfekten Herzens. Sean ballte die Hände zu Fäusten, als er daran dachte. Er stellte sich vor, wie er ihren Arsch umfasste, während er sich an sie drückte, sie küsste, bis sie seinen Namen stöhnte. War sie ein stiller Küsser oder würde sie währenddessen reden?

Er begab sich in sein Zimmer und fiel aufs Bett. Die einzige Beleuchtung kam von den Straßenlampen draußen. Doch Sean brauchte kein Licht. Sein Kopf gab ihm alles, was er brauchte. Er malte sich aus, wie Juliana ihm in sein Zimmer folgte, kokett lächelte, die Lippen rot geschminkt. Sie würde den grauen Rock tragen. Die Bluse so weit aufgeknöpft, um ihr sahniges Dekolleté anzudeuten. Er stöhnte und griff in seine Jogginghose, befreite seinen bereits harten Schwanz.

Sie würde ihn ansehen, während er sich selbst streichelte, würde sich die Lippen lecken und dann auf das Bett zugehen. Langsam, verführerisch. Sie würde sich zwischen seine Beine stellen, ihn jedoch nicht berühren, sondern einfach nur dabei zusehen, wie er an seinem Schwanz zupfte, hypnotisiert davon, wie er vor ihren Augen länger und größer wurde.

Seine Hüften erhoben sich, als er sich das Szenario vorstellte, und sein Körper fühlte sich an, als würde er brennen. Er umfasste seinen Schwanz noch härter. Ein Sehnsuchtstropfen wanderte den Schaft hinab. Er wusste, dass er nah dran war. Zu nah – er wollte die Fantasie noch weiter ausdehnen.

Julianas Rock würde hochrutschen und ihre milchigen Oberschenkel offenbaren, umhüllt von durchsichtigen Nylonstrümpfen wie ein Pin-up Girl der 40er. Ihr Rock würde ihre bereits feuchten Hügel nur knapp bedecken. Ihre Hände würden seinen Bauch hinauf bis zur Brust wandern, seinen Schwanz dabei meiden. Dann würde er sie nah zu sich heranziehen, sie küssen und dabei seine Zunge tief in ihren Mund stoßen.

„Juliana“, sagte er laut, als wäre sie bei ihm im Zimmer.

Er bearbeitete seinen Schwanz immer härter. Der Orgasmus wanderte sein Rückgrat hinunter, setzte sich tief in seinem Bauch fest, bis der Druck der gedehnten Lust unerträglich wurde. Dann würde Juliana an seinen Lippen knabbern, ihn anlächeln und schließlich seine Brust küssen. Sie würde ihn necken und reizen und damit vollkommen verrückt machen.

„Ich werde mich um dich kümmern“, würde sie mit schüchternem Lächeln sagen. Dann würde sie ihre kleine, blasse Hand um seinen Schwanz legen und er den Verstand verlieren.

Sie würde ihn nicht hart drannehmen, nein – sie wäre wie die Flügel eines Schmetterlings, würde ihm bloße Lust bereiten und trotzdem alles nur noch schmerzhafter machen. Intensiver. Nur ein Rinnsal, wo doch ein strömender Fluss gebraucht wurde, um den Damm zu brechen. Er würde an ihr buckeln, doch sie würde nur lächeln und genauso weitermachen. Sein Schwanz wäre so hart, dass ihre Hände ihn kaum umfassen können würden.

Sie würde merken, dass er Erleichterung brauchte – konnte ein Mensch aufgrund verhinderter Lust sterben? – und ihn immer härter streicheln. In der Realität nahm Sean seinen Schwanz und kraulte seine Eier, während Juliana seinen Verstand erfüllte. Dann kam er so hart, dass sich seine Hüften vom Bett abhoben. Er kam und kam, der heiße Samen schoss aus seinem Schwanz, bedeckte seine Hand und seinen Bauch. Der Ansturm ließ ihn schaudern; er war sich sicher, Juliana riechen zu können, als wäre sie wirklich neben ihm.

Sean schloss die Augen und atmete tief durch, während er wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkam. Schon lange war er nicht mehr so hart beim Wichsen gekommen – vermutlich nicht seit seinen Teenagerzeiten. Und all das nur wegen der mühelos sexy Professorin Madison.

Verdammt, er steckte tiefer in der Geschichte, als er sich je hatte vorstellen können.

 

* * *

 

Als er am nächsten Morgen aufwachte, war Sean gut ausgeruht, vibrierte aber gleichzeitig vor lauter nervöser Energie. Nach all den Fantasien über Juliana am Tag zuvor, war er nun bereit, etwas zu unternehmen. Er hatte entschieden, dass der erste Schritt kühn und beharrlich ausgeführt werden musste. Sie einfach nur um ein Date zu fragen, war zu fade, zu abgeschmackt. Nein – sie befanden sich seit Semesterbeginn in einer Art Vorspiel und er musste die Puppen auf großer Bühne tanzen lassen. Wenn er sich verrechnet hatte, wäre es seine Schuld allein – doch zumindest würde er dann ihre Antwort kennen.

Mit einem Becher Kaffee in der Hand verließ Sean das Haus und fuhr los. Die Fahrt zur Uni dauerte etwa fünfundvierzig Minuten. Er hätte sich eine Wohnung näher am Campus nehmen können, doch die Miete war billig, da er sie mit Riley teilte, und das Häuschen war nur einen Katzensprung vom The Stylish Irish entfernt. Sean störte die Fahrtzeit nicht, er konnte das kalifornische Weinland in vollen Zügen genießen.

Es war Frühling und die Sonne schien hell am wolkenlosen Himmel. Obwohl Forestville kühler und regnerischer als andere Weinstädte in Kalifornien war, schien es im Vergleich zu Irland dennoch ständig sonnig zu sein. Als er und seine Brüder in Forestville angekommen waren, war es verwirrend gewesen, wie oft die Sonne schien. Sicher regnete es manchmal und die grünen Hügel erinnerten an Irland, doch die Sonne war intensiver hier und die irischen O’Neill Brüder hatten am eigenen Leib erfahren müssen, dass sie umfangreiche Mengen an Sonnencreme benötigten, bis sie sich an die Sonne gewöhnt hatten. Sean lachte, als er daran dachte, wie Riley eines Nachmittags nach Hause gekommen war; völlig verbrannt nach einem einzigen Ausflug in der Sonne. Er hatte sich den Rest der Woche wie eine Schlange geschält.

Doch jetzt rollte Sean die Fenster hinunter und ließ die Frühlingsluft durch den Wagen ziehen, sein Arm hing aus dem Fenster, während er fuhr. Es war noch keine Erntezeit, doch selbst vom Auto aus konnte er die blühenden Knospen der Weintrauben sehen. Bevor sie hergezogen waren, hatte er rein gar nichts über die Weinherstellung gewusst, und es war interessant gewesen, die Besonderheiten von etwas kennenzulernen, das in Irland nicht oft zu sehen war. Trotzdem – wenn Sean ehrlich war, zog er noch immer ein kaltes Guinness einem Glas Wein vor.

Auf dem Weg passierte er einige der vielen Anwesen des Landes; darunter zählte auch das Weingut seines eigenen Großvaters mütterlicherseits. Sean und seine Brüder hatten erst vor kurzem Richard Phillips Senior kennengelernt, der seine eigene Tochter Maggie, Seans Mam, enteignet hatte, als sie Grant O’Neill geheiratet und mit ihm nach Irland gezogen war. Bereits bevor sie nach Amerika ausgewandert waren, hatte Seans Großvater deutlich gemacht, dass er Maggie nicht einmal als seine Tochter anerkannte. Doch als er erfahren hatte, dass sie gestorben war, und er Maggies fünf Söhnen gegenüberstand … Naja, es war nicht alles vergessen und würde es vermutlich auch nie sein, doch sie versuchten, eine Art familiäre Beziehung aufleben zu lassen. Als Sean nun zum Haus seines Großvaters blickte, ein großes weißes Gebäude hinter dem sich Felder mit unzähligen Reihen Weintrauben ausbreiteten, sah Sean nur den gebückten, gebrechlichen Körper seines Großvaters und das immer präsente Bedauern in seinen Augen, wenn er seine Enkel ansah. Er vermisste seine Tochter Maggie. Er bereute, dass er sie nie wieder gesehen hatte. Das, mehr als alles andere, brachte Sean dazu, die Angelegenheit wieder hinbiegen zu wollen.

Family is king, hatte Mam immer gesagt und Sean kannte den Schmerz nur gut genug, der mit dem Verlust geliebter Menschen einherging. Was hätte er nur ohne seine Brüder an seiner Seite getan? Zum Glück hatte er das nie herausfinden müssen. Stattdessen hatten sie einen neuen Traum in Amerika verfolgt und dort ein Restaurant eröffnet. Ein gutgehendes Geschäft und Sean war stolz, einen Anteil daran zu haben. Doch er freute sich auch darauf, seine eigenen Spuren in der Welt zu hinterlassen.

Als er endlich an der Sonoma State University ankam, bog er auf den Parkplatz ein, der am weitesten vom Vorlesungssaal seines Englischkurses mit Juliana entfernt lag. Aus Erfahrung wusste er, dass dieser Parkplatz noch am ehesten freie Plätze bot, und er genoss die Bewegung. Der Kurs traf sich drei Mal die Woche, was ihm erlaubte, Juliana regelmäßig zu sehen.

Er setzte sich wie gewöhnlich nicht in die ersten paar Reihen. Nicht so nahe, dass er als Arschkriecher eingestuft werden würde, aber nah genug, um Julianas Gesichtsausdrücke minutiös zu verfolgen, während sie unterrichtete. Vor einigen Tagen hatte sie ihnen ein Essay aufgegeben, das sie als finale Prüfung zuhause schreiben mussten. Die heutige Vorlesung war also nicht verpflichtend und dennoch war es ein Beleg für Julianas Lehrqualitäten, dass die Klasse vollständig anwesend war. Einige Minuten später kam sie herein. Sie trug einen dunkelgrauen Rock und eine hellrosa Bluse, die vorne in einer schicken Schleife zusammengebunden war. An jeder anderen Frau würde es nachlässig aussehen, doch an ihr wirkte es mühelos sexy. Sie hatte die Kurven, um die Kleidungsstücke besser dazustellen als jede Schaufensterfigur. Und wenn sie sich vorbeugte, um ein Blatt Papier aufzuheben, das ihr aus der Hand gefallen war? Sean musste leise stöhnen. Wusste sie, wie sehr sie ihn folterte?

Da sah sie auf und fing seinen Blick ein. Er hielt ihn fest, ließ sie nicht gehen und beobachtete, wie eine subtile Röte von ihrem Hals in ihre Wangen wanderte. Für eine Sekunde schien es, als wären sie die beiden einzigen zwei Menschen im Auditorium, dann riss sie sich los.

Was hatte sie gedacht, als sie ihn angesehen hatte? Hatte sie wie er die Chemie gespürt? Die Elektrizität, die zwischen ihnen knisterte? Sean beobachtete sie, wie sie nach vorne ging und sich für den Unterricht vorbereitete, und er konnte erkennen, dass sie bereits aufgewühlt war. Er schmunzelte: Er hatte das nur durch seinen Blick erreicht und es war auch nur fair, wenn man bedachte, wie sie sein Inneres aufwühlte, wann immer er sie sah.

„So, für die letzte Unterrichtseinheit dachte ich, können wir uns einigen Poeten und Gedichten widmen, die Sie sich für Ihre Abschlussarbeit ausgesucht haben. Sie haben sich für die Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts entschieden – Yeats, Elios, Auden und so weiter. Warum beginnen wir nicht mit denjenigen unter Ihnen, die Yeats ausgewählt haben?“

Sie blickte erwartungsvoll zu Sean, denn es war während des Semesters eindeutig geworden, dass Yeats sein Lieblingsautor und Dichter war. Juliana in ihrer tiefen Stimme über Yeats reden zu hören, hatte seine Liebe zu dem Dichter nur noch verstärkt. Er konnte ihr unendlich lange zuhören. Wie auch immer – Sean hatte sich entschieden, Yeats in seiner Abschlussarbeit nicht zu behandeln.

Juliana sah an Sean vorbei und nickte. „Ja, Sarah. Welches Gedicht haben Sie zur Analyse ausgewählt?“

Sean drehte sich auf seinem Stuhl um, als Sarah, eine wunderschöne Blondine in seinem Alter, zu sprechen begann. „Naja, in dem Gedicht, das ich ausgewählt habe, ist einiges los“, fing sie an, „doch das wahrscheinlich Offensichtlichste ist, wie er durchweg Metaphern für die Apokalypse benutzt. Vor allem die Verse ‚Sureley the Second Coming is at hand‘ und ‚A shape with lion body and the head of a man‘ beziehen sich auf Bilder, die in der Offenbarung des Johannes vorkommen und mit der Wiederkunft Christus im Zusammenhang stehen.“

Juliana nickte. „Ja, toll! Es gibt so viele fantastische, instinktive Bilder in diesem Gedicht, wie du schon gesagt hast. Es ist eines der schwierigsten Gedichte Yeats’ und es gibt eine große Anzahl an Interpretationen, die sich damit befassen, was er gemeint hat. Will es jemand versuchen?“

Sean hörte kaum, was die anderen Studenten sagten. Sein kompletter Fokus lag auf Juliana, als sie durch den Vorlesungssaal ging und mit ihren Händen ihren Vortrag untermalte. Sie war so lebhaft, wenn sie über Literatur redete, und es war verdammt sexy. Gott, er würde alles geben, um nach vorne zu gehen, sie in seine Arme zu ziehen und zu küssen, bis sie ausgestreckt auf dem Tisch lag und zitternd darauf wartete, dass er sie nahm.

Als sie fragte, wer sich dafür entschieden hatte, ein Essay über Auden zu schreiben, setzte Sean sich auf. Er hatte Audens Gedicht ‚Lullaby‘ gewählt, ein sexy, süßlich-erotisches Gedicht, in dem es um zwei Liebende ging, die miteinander redeten, nachdem sie Liebe gemacht hatten.

Als Sean sich meldete, röteten sich Julianas Wangen leicht. „Ja, Mr. O’Neill?“

„Ich habe ‚Lullaby‘ gewählt, ein Gedicht über die Liebe“, sagte er. Er starrte sie an, während er sprach, und wollte, dass sie merkte, dass er all das eigentlich an sie richtete. „Aber nicht nur Liebe: Es geht um zwei Menschen, die zusammen sind, nachdem sie Liebe gemacht haben. Es scheint eine gewisse Traurigkeit in der Luft zu liegen über die Tatsache, dass ihr … Zusammensein nicht bestehen kann, doch in der dritten Strophe gibt es wieder Hoffnung, dass dies nicht der Fall sein wird.“

Er atmete ein und rezitierte dann einen Teil des Gedichtes mit leiser Stimme. „Not a whisper, not a thought … Not a kiss nor look be lost.“ Sean sprach die Verse des Gedichts mit leicht übertriebenem irischen Akzent, rollte seine Zunge um die Vokale und schwächte die Konsonanten. Er fühlte sich nicht im Geringsten schlecht dabei, seinen Akzent zu nutzen, um eine Frau zu verführen, und er war noch bereiter dazu, wenn es um Juliana ging.

Er stellte sich vor, ihr die Zeilen des Gedichts vorzutragen, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Für einen Moment fragte er sich, ob sie sich dasselbe ausmalte. Sie konnte ihren glasigen, fast starren Blick nicht von ihm abwenden und die Röte auf ihren Wangen war vermutlich in den letzten Bankreihen sichtbar. Die Klasse schien vollständig zu schweigen und für einige Augenblicke war es vollkommen still, bis Juliana schließlich das Wort ergriff. Er merkte, dass ihre Hände zitterten. Sein Herz klopfte. Er war bereits so hart, dass es schmerzte.

„Danke dafür“, sagte sie sanft. Dann, als würde sie realisieren, dass sie noch immer Publikum hatten, räusperte sie sich und sagte lauter: „Sonst noch jemand, der dieses Gedicht analysiert hat? Es ist eines der berühmtesten von Auden und offensichtlich sehr … erotisch.“ Sie sagte erotisch langsam und Sean sah, dass sie zu ihm blickte, als sie das Wort aussprach. Während dem Rest des Unterrichts warf sie ihm immer wieder verstohlene Blicke zu. Endlich forderte Juliana die Klasse auf, ihre Abschlussarbeiten abzugeben, und die Studenten machten sich zum Gehen bereit. Er wartete ein bisschen, ließ die anderen ihre Arbeiten zuerst abgeben. Er wollte in der Lage sein, mit ihr zu reden, und er konnte das nicht tun, wenn er eine Schlange wartender Leute hinter sich hatte.

Nachdem sich das Auditorium fast komplett geleert hatte, ging er nach vorne. Er legte seine Arbeit in die vorgesehene Holzkiste und wartete darauf, dass sie ihn wahrnahm. Doch sie schien entschlossen, auf ihr Handy zu starren.

„Ich habe Ihr Seminar sehr genossen, Professor Madison“, sagte er.

Sie sah auf. „Das freut mich.“ Sie verstaute ihr Handy in ihrer Handtasche und begann, ihre Papiere zusammenzusammeln.

„Denken Sie, dass Auden ‚Lullaby‘ mit einer bestimmten Person im Hinterkopf geschrieben hat? Es fühlt sich an, als spräche er darin direkt zu einer geliebten Person.“ Sean lächelte, als sie versuchte, die unkooperativen Papiere in ihrer Tasche zu verstauen. Es kostete ihn seine gesamte Willenskraft, ihr nicht dabei zu helfen.

„Oh, vielleicht. Das werden wir wohl nie wissen, nicht wahr?“ Sie schielte zur großen Uhr an der Wand hinter ihm. „Es war mir ein großes Vergnügen, Sie in meinem Unterricht zu haben, Mr. O’Neill, doch da ist jemand, der darauf wartet, mit Ihnen zu sprechen.“

Sean drehte sich verwirrt um und sah Sarah, die in der Nähe stand. Er stöhnte fast vor Frust, als sie ihre Hand zu einem Winken hob.

„Hi, Sean. Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht kurz mit dir sprechen könnte?“, sagte sie.

„Sicher, Sarah“, sagte er und erwartete, dass das Mädchen, das er zwar mochte, aber eben nicht mehr als einen Freund, ihn um ein Date bitten würde. Er fühlte sich natürlich geehrt, doch er hatte kein Interesse an irgendeiner anderen Frau.

Als er sich zurück zu Juliana drehte, lächelte sie und sagte sanft: „Sie ist ein hübsches Mädchen, Sean. Und schlau. Ihr würdet ein tolles Paar abgeben.“

Sean starrte sie an und wollte laut auflachen, als sie so offensichtlich versuchte, sie zu verkuppeln. Oh, Professor, dachte er, wenn du denkst, dass du mich so schnell loswirst, liegst du falsch.

„Bis später, Juliana“, sagte er mit verführerischem Lächeln. Ihre Augen weiteten sich, dann sah sie bewusst zur Seite.

„Auf Wiedersehen, Mr. O’Neill.“

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